Wernigerode l Die Wernigeröder Volks-Lichtspiele rüsten für das digitale Zeitalter um. Das Traditionskino in der Salzbergstraße ist wegen der Umstellung bis einschließlich Freitag, 20. Juni, geschlossen.

Für Filmvorführer Andreas Becker endet damit die Zeit, in der er pro Film eine etwa 17 Kilogramm schwere Rolle hieven musste. Je nach Länge des Films liefen pro Vorführung mehrere Kilometer des 35-Milimeter-Zelluloidbands durch das Abspielgerät. Das nostalgische Rattern des Projektors ist ab sofort Geschichte.

Künftig werden Hollywood-Streifen von den großen Verleihern nicht mehr auf der Filmrolle, sondern nur noch auf digitalen Speichermedien geliefert. Würden die Volks-Lichtspiele nicht modernisiert, könnten künftig nur noch ältere Filme gezeigt werden. Neue Streifen könnten nicht abgespielt werden. "Seit einem viertel Jahr werden gar keine Filmrollen mehr hergestellt", sagt Becker gegenüber der Volksstimme. "Sie sind nur noch auf Festplatte zu haben." Die Festplatte wird per USB an einen digitalen Projektor angeschlossen. Die Umrüstung auf die moderne Technik ist teuer. Beckers Familie, die das Kino seit den 1950er Jahren betreibt, hätte sich die neuen Geräte nicht leisten können. Die Volks-Lichtspiele hat Andreas Beckers Mutter Leni deshalb an die Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode mbH (GWW) verkauft, die den Erhalt des Kinos in Wernigerode sichern will und die Umrüstung finanziert. Leni Becker ist seitdem Pächterin des mehr als 100 Jahre alten Kinos.

Am 21. Juni geht der Betrieb wie gewohnt weiter. "Was wir zur Eröffnung zeigen werden, verraten wir noch nicht", sagt Andreas Becker.