Wernigerode l Pflanze für Pflanze steckt Jennifer Wetzig-Mänz in die lose Erde - fast 500 Eisbegonien in Rosa und Weiß, Verbenen in dunklem Rot, Silberkörbchen und Schneeflockenblumen. Seit 7 Uhr morgens ist die Mitarbeiterin des Gartenamts damit beschäftigt, Wernigerodes Blumenuhr zu verschönern.

Bis zum Sachsen-Anhalt-Tag in genau 23 Tagen soll sich nicht nur der blühende Zeitmesser selbst, sondern das gesamte Areal vor dem Schiefen Haus in einem völlig neuen Bild präsentieren. Seit März sind die Bauarbeiten in Gange. Der alte Blumenuhr-Hügel wurde abgetragen und teilweise eingeebnet, das Uhrwerk selbst demontiert und von einem Fachmann repariert. Die Treppe zur Marktstraße ist bereits fertig gestellt. Die Stellplätze für die Pferdekutschen wurden gepflastert, eine Wasserleitung für die Reinigung der Stellflächen installiert.

Ziel ist der Verwaltung ist es, einen Park zum Verweilen zu schaffen. Der Entwurf von Architektin Margrit Hottenhott enthält deshalb Sitzgelegenheiten und ein Hüpfspiel für Kinder. 300 000 Euro sind für die Umgestaltung eingeplant.

Besonderes Detail ist ein Wasserlauf, der an die Vergangenheit des Geländes mit Walkmühle und Badehaus erinnern soll. Aus einem Mühlstein soll das kühle Nass auf Höhe der Klintgasse entspringen. Es fließt dann über eine Rinne die Treppenstufen hinab zum "Waaghof", wo es im Untergrund verschwindet und wieder zum Ursprung gepumpt wird. "Der Wasserauslaufstein dafür ist bereits gesetzt", informiert Gerlinde Brammer vom Bauamt. Der Auslauf sei montiert. "Er steht waagerecht, auch wenn die Optik zum Schiefen Haus täuscht." In Kürze werde ein erster Probelauf gestartet, kündigt sie an.

Laut Gerlinde Brammer sind die Bauarbeiter derzeit dabei, das Lichtband, das in der Wasserrinne sowie entlang der Gosse verlaufen soll, zu installieren. Zudem werde die Montage des Uhrwerks und der Zeiger vorbereitet. Die Sitzgelegenheiten und Fahrradständer werden nach Abschluss der Pflasterarbeiten aufgestellt.

Rückblick: Die Neugestaltung der Fläche zwischen Schiefem Haus und Marktstraße hatte Anfang 2013 für Aufregung in Wernigerode gesorgt. Nach Vorstellung der Stadtverwaltung sollte die Blumenuhr zuerst in den Bürgerpark ziehen, um Platz für eine Granitfläche mit Steinplastik, Beeten und Bänken zu schaffen. Daraufhin hatten sich viele Wernigeröder und auch die Mehrheit der Lokalpolitiker für den Erhalt des Zeitmessers eingesetzt. Der Stadtrat entschied im Juli letztendlich, die Blumenuhr an Ort und Stelle zu erhalten und in die Neugestaltung zu integrieren.

Bilder