Wernigerode l Wernigerodes Parkanlagen sehen derzeit wie landwirtschaftliche Nutzflächen aus. Aus Rasen sind Wiesen geworden. Zwar werden die Flächen gemäht, das Gras bleibt jedoch liegen und wird in der Sonne schnell zu Heu.

Das Heu sei eine "vorübergehende Erscheinung", sagt Gartenamtsleiter Frank Schmidt. Schuld an der Misere sei ein Unternehmen aus Dessau, das den Zuschlag für die Pflege von Rasenflächen erhalten hatte. "Wir hatten von Anfang an Zweifel an dieser Firma und wollten sie nicht haben. Sie hat sich dann allerdings über die Vergabekammer in Halle eingeklagt", so Schmidt.

Da das Auftragsvolumen für die Pflege der Rasenflächen bei mehr als 50000 Euro lag, schreibt das Landesvergabegesetz die Ausschreibung vor. Das Unternehmen habe beteuert, zusätzlich Mitarbeiter zu engagieren und für diese Zimmer in Wernigerode anzumieten. "Stattdessen sind sie aber jeden Tag aus Dessau hierhergekommen", so der Gartenamtsleiter. "Die Firma hat sich mit dem Auftrag völlig übernommen, nicht einmal den ersten Schnitt hat sie geschafft", sagt Schmidt. Erst Ende Mai habe sie mit dem Mähen begonnen.

Von den rund 200 Hektar städtischen Grünflächen wird etwa die Hälfte von den Mitarbeitern des Gartenamts gepflegt. Die Dessauer haben den Zuschlag für 35 Hektar erhalten, sagt Hauptamtsleiter Rüdiger Dorff. Mehrfach habe die Verwaltung das Unternehmen abgemahnt, die Arbeiten wie vereinbart auszuführen, ergänzt Frank Schmidt. Als das Gras zu hoch wurde, habe die Stadt schließlich andere Unternehmen beauftragt. "Normalerweise schreiben wir den Rasenschnitt mit der Beräumung des Schnittguts aus", so Schmidt. Jetzt musste es allerdings schnell gehen, das Abmähen der Rasenflächen habe im Vordergrund gestanden, die Räumung des Heus sei nachrangig.

Uwe Bräuning gehört zu denjenigen, die die Grünflächen nun zurechtstutzen. Mit seinem Rasentraktor fährt der Mitarbeiter einer örtlichen Firma durch den Park an der Mauergasse. Einen Meter hoch sei das Gras dort vor einigen Tagen noch gewesen, sagt er.

Zusätzliche Kosten habe der Fehlgriff bei der Vergabe nicht verursacht. "Es gab keine Leistung, und wir haben nichts bezahlt", so Schmidt. Derzeit werde eine Neuausschreibung vorbereitet, sagt Rüdiger Dorff.

Wegen laufender Auseinandersetzungen mit dem Unternehmen könne er nichts Genaueres sagen und auch den Namen der Firma nicht nennen, sagt Andreas Meling, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Die Vergabekammer verwies darauf, dass sie grundsätzlich keine Namen herausgebe. Trotz intensiver Nachforschung war es auch der Volksstimme nicht möglich, das Unternehmen ausfindig zu machen und mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Allerdings reagierten die Dessauer auch nicht auf Kontaktversuche durch die Stadtverwaltung, sagt Rüdiger Dorff.

Verwendung für das Heu hat die Stadt indes nicht. An die Tiere im Wildpark könne es nicht verfüttert werden, so Frank Schmidt. In den Parks würden Hundekot und Müll das Gras verschmutzen. Verfüttert werde hingegen das Heu aus dem Lustgarten und dem Kastanienwäldchen.