Eine Gruppe von Investoren aus Hannover möchte den alten Hotelstandort am Wernigeröder Lindenberg wiederbeleben - mit Angeboten für gesundheitsbewusste Gäste. Derzeit wird ein neuer Bebauungsplan geschrieben, dann wird darüber entschieden, ob die Pläne verwirklicht werden.

Wernigerode l Das Haus auf der Anhöhe hat schon bessere Tage gesehen. Die Farbe blättert von den Wänden, die Fensterscheiben sind zerschlagen, im Innern türmt sich der Schutt. Das alte Hotel Lindenberg ist nicht mehr zu retten, doch eine neue Herberge könnte dem Standort wieder Leben einhauchen. Die Projekt Residenz Gräfin von Waldersee GmbH Co. KG aus Hannover will das Gebäude abreißen und plant den Bau eines Gesundheitshotels.

Ob es dazu tatsächlich kommt, ist noch nicht entschieden. Doch die Voraussetzungen dafür werden derzeit geschaffen. Der Stadtrat hatte in seiner letzten Sitzung vor der Wahl die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. "Das ist nötig wegen der Größe des Geländes", erklärt Hans-Dieter Nadler, Chef des Wernigeröder Stadtplanungsamtes.

Der Entwurf ist in Arbeit und wird ab 10. Juli öffentlich ausgelegt. Wenn sich Bürger, Behörden und beteiligte Institutionen geäußert haben, geht der Bebauungsplan in die Ausschüsse und schließlich in den Stadtrat. "Spätestens Ende des Jahres könnte dann ein Beschluss vorliegen", so Nadler. Parallel könnten die Investoren bereits die Baugenehmigung beantragen.

Deren Pläne sehen vor, dass auf dem Lindenberg ein neues Hotel der gehobenen Kategorie "Vier Sterne plus" entsteht. Die fünfgeschossige Anlage soll rund 250 Betten bieten. Hinzu kommen ein Parkdeck, das Stellplätze für fast alle Gäste bieten soll, sowie gastronomische Angebote. Den Besuchern soll ein Wellnessbereich mit Schwimmbecken und eine Gesundheitsabteilung zur Verfügung stehen.

Naturheilkunde und universitäre Medizin sollen dort Hand in Hand gehen, die Dienstleistung in Urlaubsatmosphäre vonstatten gehen - so beschreibt Volker Griese im Antrag zum Bebauungsplan die Ausrichtung des geplanten Hotels. Der Wernigeröder Projektentwickler, der die Investoren vertritt, ist überzeugt, dass Gesundheitstourismus im Trend liegt. "Der Markt entwickelt sich in diese Richtung. Das wird noch zunehmen", sagt Griese.

Für Wernigerode, das sich bisher als Ziel für Städtereisende, Tagungsteilnehmer und Familien mit Kindern profiliere, seien Gesundheit und Wellness eine neue und sinnvolle Ergänzung. "Wir können nicht stehen bleiben, auch wenn wir jetzt noch erfolgreich sind. Wir sollten sehen, wie wir uns weiterentwickeln können", erklärt Volker Griese. Der Lindenberg biete für ein solches Angebot die richtigen Voraussetzungen. "Die Lage ist gut, weil sie nicht mitten in der Stadt ist." Der Ausblick auf die Stadt und die Möglichkeit, vor der Haustür Wanderungen zu unternehmen, seien Argumente für den Standort.

Dafür wollen die Geldgeber aus Niedersachsen rund 30 Millionen Euro investieren und 58 dauerhafte Arbeitsplätze schaffen. Wenn die nötigen Genehmigungen vorliegen, könnten die Bauarbeiten "spätestens" im März 2015 beginnen, erklärt Volker Griese. Eineinhalb Jahre müssten für den Bau veranschlagt werden.

Das alte Hotel Lindenberg wurde im Jahr 1868 von Ferdinand Körber erbaut. Seinerzeit war es ein hochklassiges Haus, in dem Angehörige des Adels und Personen des öffentlichen Lebens sich erholten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) das Hotel und betrieb bis 1992 darin ein Ferienheim mit Gaststätte. Seitdem steht das Haus leer und ist nicht nur verfallen, sondern auch einsturzgefährdet. Erhalten werden kann es nicht - eine Sanierung und Umnutzung würde sich wirtschaftlich nicht lohnen, so Volker Griese.