Zum Beitrag über Goethes unklare Übernachtung in Elbingerode, die Suche nach der damaligen Herberge und seine angebliche Nichterwähnung von Wernigerode und Goslar. "Alle nennen nur den ,Blauen Engel‘ als Bleibe", Volksstimme, 18. Januar:

Grundsätzlich bin ich der Auffassung, daß es wichtiger ist zu wissen, wo ein Goethe wach war, als bei welchem Engel er schlief.

Wach, hellwach war er beim Besuch der Eisensteinpingen nördlich von Elbingerode und der südlich gelegenen Susenburg, deren schrundige Geologie ihn interessierte.

Was allerdings den Gasthof "Zum Blauen Engel" in der Rohrbachstraße betrifft, so dürfte er nach Meinung der rührigen Heimatforscher des 19. Jahrhunderts eines der wenigen Gebäude gewesen sein, die bei der vorangegangenen Feuersbrunst nur wenig in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Der Wiederaufbau des Gemeinwesens bezog sich nicht vorrangig auf Logiermöglichkeiten der spärlichen Durchreisenden, denn die kleine Stadt der Bergleute, Waldarbeiter, Harzbauern und Fuhrmänner war dazumal noch von geringem touristischem Interesse und mußte nicht eben von Absteigen wimmeln.

Ungewöhnlich ist, daß Kneipe, Name und vermutlich das geschnitzte und bemalte Wirtshausschild des blauen geflügelten St. Florian später in die Nachbarstraße umgezogen sind. Es erübrigt sich damit die Frage, in welchem Stall Goethes Schimmel seine kostbaren Äpfel hinterließ, da ist eh nichts mehr auffindbar.

Und auch ein Hinweisschild in teutonischer Manier, an dem man vorübergehen kann, halte ich für überflüssig; schön wär‘s, wenn man das historische Geschehen dankbar im Herzen bewahrte.

Was die vermeintliche Nichterwähnung von Wernigerode und Goslar - "in keiner Form"! - bei unserem Engelsschläfer betrifft, so ist das schlicht falsch: Über den Wernigerode-Aufenthalt äußert er sich vielseitig in der Darstellung des Frankreichfeldzuges "Auch ich in der Champagne" 1822, über den Aufenthalt in Goslar schon 1777, indem er das familiäre Klima im Gasthof Scheffler lobt und die alte Reichsstadt schmäht, "die in und mit ihren Privilegien vermodert".

Fachwerk, obwohl oder gerade weil in ganz Deutschland reichlich verbreitet, war unmodern, Wohlstand zeigte sich in Steinbauten; wer‘s nicht konnte, übertünchte wenigstens die Balken in Wandfarbe.

Dass unser Dichter in Claus-thals Gruben fast von einem Oberharzbrocken erschlagen worden wäre, hat er selbst und viel später der Romanautor Wolff in "Winterströme" (1986) dargestellt, alles spätere bleibt ein Nachplappern.

Er reiste unter fremden Namen, weil er - im Gegensatz zu heutigen Stars und Sternchen - nicht erkannt werden wollte und weil er Industriespionage betrieb.

Bernd Wolff,

Blankenburg