Wer sich über eine der prägendsten Entwicklungen der Region informieren will, sollte sich sputen. Rund 400 der 700 Stück zählenden Auflage des Buches "1000 Jahre Bergbau im Hüttenröder Revier" ist vergriffen. Es dokumentiert alte und aktuelle Geschichte über Hüttenrode hinaus – von Treseburg bis Königshütte und Tanne in der Stadt Oberharz.

Elbingerode. "Gut die Hälfte unserer 700 Bücher ist über den Ladentisch gegangen, viele an ehemalige Bergleute, aber nicht nur", sagt Andreas Pawel, Berghauptmann des Bergvereins Hüttenrode.

Der Verein hatte letzten Sommer, zum 75. Jahrestag der Gründung der Grube "Braunesumpf", das Buch "1000 Jahre Bergbau im Hüttenröder Revier" (kleines Foto) herausgegeben.

Die umfangreiche Arbeit tilgt einen bisher weißen Fleck in der Harzer Heimat- und auch in der deutschen Montangeschichte, wie Mitautor Günther Stöckicht im Vorwort sowie der Ehrenvorsitzende des Gesamtharzklubs und Buchautor, Dr. Albrecht von Kortzfleisch im Geleitwort gleichermaßen hervorheben.

Auf 240 Seiten, mit vielen Hochglanzbildern, spüren Günter Losse und Dr. Volker Wrede dem Eisenerz-, Kupfer- und Schieferbergbau mit genau recherchierten, auch technisch sehr detailreichen Beiträgen nach, während Rüdiger Strutz sich ausführlich dem Kalksteinabbau widmet, der heute noch aktuell ist und die Landschaft von Hüttenrode bis Königshütte prägt. Sei es durch die modernsten Anlagen der Fels-Werke, sei es durch den touristisch markanten Blauen See – einer Wiege des regionalen Kalkabbaus, der hier bis 1945 betrieben wurde.

Blauer See "nur" maximal 6,5 Meter tief

Der Blaue See ist danach "nur" die 2. Abbausohle, gefüllt mit Karstwasser, und gar nicht so tief, wie immer gemunkelt wird - bei Höchstwasserstand maximal 6,5 Meter.

Berichtet wird auch über den sogenannten Rübeländer Marmor, der heute nicht nur das neue Foyer der Baumannshöhle ziert, sondern seit Jahrhundeten schon den Halberstädter Dom - als Taufstein aus dem 12. Jahrhundert, wie angemerkt wird. Auch am Bahnhof Blankenburg ist Rübeländer Marmor/Kalkstein heute noch zu sehen, als Obelisk für Prinz Albrecht von Preußen, nach dem einst das Albrechtshaus bei Stiege benannt wurde.

Ein ganz eigenes Kapitel steuert Lothar Tomaszewski mit einer Art Stippstereken aus dem Bergmannsalltag der Jahre nach dem Krieg bei. Mit den von Bergleuten bekannten Frotzeleien, Spitznamen und Streichen untereinander, wie sie später im Bergbaunachfolgebetrieb "MLK" Blankenburg noch erzählt wurden.

Die Einblicke ins echte Bergmannsleben runden das Bild einer Zeit ab, die Land und Leute prägte und prägt. Eine Zeit, wie Rüdiger Strutz anmerkt, die mit dem rasanten Bahnbetrieb und Kalkanbau um 1885/86 durchaus einem Vergleich mit dem Goldrausch am Klondike in Alaska standhalte. Und der ist auch bis heute nicht vergessen. Das Bergbaubuch hilft, die hiesige Geschichte zu bewahren.

Zu haben ist es in den Tourist-Infos Elbingerode, Blankenburg, Rübeland, im Elbingeröder Geschäft Schreiber und in Jüttners Buchhandlung in Wernigerode sowie beim Bergverein zu Hüttenrode.

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