Wernigerode. Eine weithin sichtbare dichte schwarze Rauchsäule schreckte am Sonnabend Frühaufsteher in Wernigerode auf. Viele alarmierten sofort Polizei und Feuerwehr. Längst hatten die Flammen von einem zwei- geschossigen Fabrikgebäude auf der Industriebrache am Brockenweg Besitz ergriffen. Dort, wo zu DDR-Zeiten Kinderbetten produziert wurden, brannte es lichterloh.

Kurz nach 6.30 Uhr war der erste Alarm im Revierkommissariat am Nicolaiplatz eingegangen. Die Wernigeröder Feuerwehr war gerade an der Mauergasse fertig, wo sie durch ihr schnelles Eingreifen die Zerstörung der Existenz eines Raumausstatters verhinderte. Um 5.40 Uhr wurde sie alarmiert. Rund 20, etwa fünf Meter lange Papprollen, die auf dem Hof vor dem Werkstattgebäude abgestellt waren, standen in Flammen. "Der oder die Täter müssen einen Brandbeschleuniger benutzt haben, denn die Rollen waren pitschnass", sagte Frank-Peter Bothe auf Volksstimme-Nachfrage. Der Handwerker war entsetzt über "soviel kriminelle Energie". Wegen der Hitzeentwicklung sind die Festerscheiben der Werkstatt geplatzt, die Rahmen, Eingangstür und Fassade stark beschädigt. Den Schaden bezifferte er auf rund 15 000 Euro. Der Wernigeröder verärgert: "Wer macht bloß so etwas?"

Diese Frage zu beantworten, ist Sache der Kriminalpolizei, die durchaus einen Zusammenhang mit dem Großbrand am Sonnabendmorgen sieht, einige hundert Meter entfernt.

Dort war zum Glück ebenso kein Mensch zu Schaden gekommen. Nicht zuletzt, weil die Wernigeröder Feuerwehr auch am Brockenweg schnell handelte und Verstärkung bekam. Gemeinsam mit den Kameraden aus Benzingerode, Minsleben, Reddeber, Silstedt, Schierke, Blankenburg, der Werksfeuerwehr von vem motors und der Feuerwehrtechnischen Zentrale wurde von zwei Seiten der Brand vom Boden und von der Drehleiter aus bekämpft.

Wichtig war zu verhindern, dass die Flammen sich auf das Nachbargebäude ausbreiten. Von Hydranten im Bereich Friedrichstraße, Humboldtweg, Sägemühlengasse und aus dem Zillierbach am Westerntor wurde das Löschwasser gezogen. In Hasserode wurde bis kurz nach 10 Uhr der Fahrzeugverkehr umgeleitet. Bis 13 Uhr dauerte der Einsatz der Feuerwehr, die noch bis 19 Uhr Brandwache hielt.

Völlig zerstört wurden das Dach und Obergeschoss der ehemaligen Espa-Produktionsstätte. Es war nach kleineren Feuern nun schon der zweite Großbrand auf dem rund 13 800-Quadratmeter-Areal. Anfang Dezember 2004 brannte ein Lagerschuppen lichterloh. Für den Besitzer Peter Friedrichson mehr als ärgerlich. Einzig bleibe ihm der Trost, dass nicht Schlimmeres passiert sei. "Die Feuerwehr hat ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ihr gilt mein Dank", so der ehemalige Schauspieler, der das Gelände, wo einst sein Vater Henri Friedrichson eine Möbelfabrik gründete, nach wie vor an einen Investor verkaufen möchte.

Während Spezialisten heute auf der Industriebrache die Ursache ermitteln, bittet die Polizei um Zeugenhinweise zu beiden Bränden. Sie möchten sich im Revierkommissariat in Wernigerode oder unter Telefon (0 39 43) 65 32 92 melden.

Bilder