Nur einen Wermutstropfen hat es beim Kirchweihfest in Schierke am Wochenende gegeben: Der Orgel ist kaum noch ein richtiger Ton zu entlocken. Das desolate Instrument sorgte für Gesprächsstoff.

Schierke l Das Schierker Kirchweihfest, das am Sonntag begangen wurde, ist auch für Schierkes Bürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) ein Grund zum Feiern gewesen. "Unsere Kirche ist wieder in den Mittelpunkt des Ortes gerückt", betonte sie. Das Gotteshaus werde seit einigen Jahren nicht nur für kirchliche Veranstaltungen genutzt, sondern biete auch für weltliche Konzerte, beispielsweise während des Schierker Musiksommers, ein schönes Ambiente, so die Ortschefin.

Das Kirchweihfest der evangelischen Christusgemeinde Wernigerode-Schierke soll Auftakt für regelmäßige Gottesdienste in dem Ortsteil sein, kündigte Michael Garm, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, sehr zur Freude der Besucher an. Zum Auftakt der Feierlichkeiten predigte Pfarrer Peter Michael Schmudde. Dabei erinnerte der Pfarrer daran, dass Ende des 19. Jahrhunderts Schierke als Wohn- und Luftkurort eine größere Bedeutung erlangte und durch Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode an der neu von Hasserode nach Schierke angelegten Straße größere Kirche errichtet wurde.

Diese Bergkirche wurde am 17. Juli 1881 eingeweiht, so Schmudde. Erste Entwürfe habe wohl der gräfliche Kanzleirat und Harzmaler Albert Schöpwinkel (1830 bis 1910) geliefert, verbürgt sei dies aber nicht.

Wie der Pfarrer informierte, wurde die neue Kirche im Jahr 1912 durch den Anbau der Sakristei ergänzt, ebenso durch den Einbau einer Dampfheizung. Dies habe den Aufenthalt der Kirchgänger in der vollkommen aus Granit gebauten und dadurch ganzjährig recht kalten Kirche etwas angenehmer gestaltet.

Die Vorgängerkirche Schierkes steht bis heute am Steilhang über der Kalten Bode. Sie ist mittlerweile Heimat der Kinder der hiesigen Tagesstätte. Der zum ehemaligen Gotteshaus gehörende, um 1730 errichtete Glockenturm wurde bereits 1912 zu einer Wohnung umgebaut.

Doch nicht nur die Geschichte der Kirche war während des Gottesdienstes und anschließend Thema. Bei Kaffee und Kuchen - die Mitglieder der Kirchengemeinde hatten 18 Kuchen gespendet - wurde über vieles mehr gesprochen. Irmgard Hellerling bedauerte, dass im benachbarten Braunlage die Schanze und der Turm abgetragen werden sollen.

Auch Probleme in der Kirche wurden von den Gästen angesprochen. Zu den großen Herausforderungen der Zukunft gehört zweifelsohne der Zustand der Orgel, wie viele Gäste und Gemeindeglieder deutlich machten.

Das ursprünglich mechanische Instrument (Reubcke, Hausneindorf) wurde 1922 auf eine pneumatische Funktionsweise (Ladegast, Weißenfels) umgerüstet und 1938 zur Barockorgel (Kemper, Lübeck) umgebaut. "Heute ist unsere Orgel leider in sehr desolatem Zustand und kann nur von kundigen Spielern einigermaßen zum Klingen gebracht werden", urteilte Schmudde.

Deutlicher als der Geistliche wurde Johannes Richter, ein 16-jähriger Schüler des Landesmusikgymnasiums. Der gebürtige Salzwedler, der nach seinem Abitur einmal Kirchenmusiker werden will und sich für die Bespielbarkeit der Schierker Orgel einsetzt, sieht die Anschaffung einer neuen Orgel als einzige dauerhafte Lösung an.

Die jetzige ist "beinahe unbespielbar", lautete sein Urteil. Die Firma Kemper sei "für Billigorgeln" bekannt, sie habe nur einfaches Material genutzt. Deshalb gebe es jetzt nur noch sehr wenige Orgeln dieser Firma, die überhaupt gespielt werden könnten.

Schierkes Ortschronistin Ingrid Hinze bereicherte das Fest mit umfangreichen Informationen über die Kirche und den Friedhof. Ihr Archiv zu diesem Thema umfasst den Zeitraum von 1975 bis 2009. Bei den Feiernden stieß es auf reges Interesse.

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