Anders als geplant, wird die Atelierschmiede im alten Bahnhofsgebäude an der Feldstraße nicht zum Sachsen-Anhalt-Tag fertig. Dafür beteiligt sich die Krellsche Schmiede am Landesfest.

Von Jörn Wegner

Wernigerode l Bis zur Eröffnung des Sachsen-Anhalt-Tags an diesem Freitag in Wernigerode sollte die Atelierschmiede - ein Ableger der Krellschen Schmiede anno 1678 - im alten Bahnhofsgebäude in der Feldstraße fertiggestellt werden. Das hatte Wolf-Dieter Wittig, Pächter der historischen Schmiede in der Breiten Straße 95, noch im November 2013 angekündigt.

Doch aus dem Vorhaben wird nichts. "Am Ende des Geldes war noch viel Arbeit übrig", umschreibt Wittig sein Hauptproblem. In der Bahnhofsschmiede werde zwar bereits gearbeitet und geschmiedet, und auch der Büroteil des Hauses ist mittlerweile saniert und vermietet. Doch das Gebäude ist in weiten Teilen noch immer eine Baustelle, die Tore sind Provisorien, der Zugang erfolgt über ein wackliges Holzgestell, und die geplante gläserne Wand zwischen Bürotrakt und Schmiede befindet sich noch im Rohbau.

Dabei hat der milde Winter den Fortschritt auf der Baustelle sogar begünstigt, wie Wittig einräumt. Er und seine Mitarbeiter haben in den kalten Monaten das alte Kopfsteinpflaster vor dem Gebäude völlig neu gestaltet. Wo früher ein Gemisch aus hellgrauen und roten Steinen lag, sind nun einheitliche rote und graue Flächen entstanden. Der Schmied hat das Pflaster farblich getrennt, aus rein ästhetischen Gründen, wie er sagt. Auch neue Maschinen finden sich im Werkraum wieder - neue alte Maschinen, um genau zu sein. Ein Luftdruckhammer ist Wolf-Dieter Wittigs neueste Errungenschaft. Das gusseiserne Modell aus dem VEB Bernsdorfer Eisenwerke ist Baujahr 1959 - und Wittig zufolge noch immer auf dem aktuellen Stand der Schmiedetechnik. Aus Elbingerode ist der tonnenschwere Hammer nach Wernigerode gebracht worden.

Wenn auch die Bahnhofsschmiede zum Sachsen-Anhalt-Tag nicht offiziell eröffnet werden kann, wird sich Wittig mit der historischen Krellschen Schmiede in der Breiten Straße an den Feierlichkeiten beteiligen. Das Gebäude am Bahnhof habe sich laut Wittig zudem schon dadurch bewährt, dass viel moderne Schmiedetechnik aus der alten Werkstatt weggeschafft werden konnte.

"Die Krellsche Schmiede soll einen starken musealen Charakter erhalten", sagt Wittig. Zum Sachsen-Anhalt-Tag werden Führungen durch den Betrieb angeboten und Wittig hofft, dass die Ausstellung zur Geschichte des Handwerks im Obergeschoss bis dahin fertiggestellt ist. Zusammen mit dem Zentrum Harzkultur wird es zudem Folklore und Angebote des Kunsthandwerks im Hof des Gebäudes geben.

Für den Umbau hatte Wittig bereits 2012 einen Förderbescheid über 86800 Euro vom Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt erhalten. Zwischen 400000 und 500000 Euro, schätzt der Handwerker, wird es insgesamt kosten, bis das alte Bahnhofsgebäude, das bis zur Wende als Güterumschlagplatz diente, seiner Vision entspricht. Anfangs plante er eine Fertigstellung bis August 2013, dann verschob er die geplante Eröffnung immer weiter nach hinten. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.