In der Untertageanlage der Harz-Kaserne ist eine Andachtsnische eingeweiht worden. Sie soll zum einen als Ort der Besinnung dienen, zum anderen aber auch zum Gedenken an die Menschen mahnen, die zu Zeiten des Nationalsozialismus im Regenstein inhaftiert waren.

Blankenburg (jmü) l Bundeswehr-Angehörige und geladene Gäste sind gleich zu drei Anlässen zu einer Feierstunde in der Untertageanlage der Harz-Kaserne in Blankenburg zusammengetroffen. So hat Militärpfarrerin Barbara Reichert dem Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial eine Barbarafigur, die als Schutzheilige der Bergleute gilt, gestiftet. Sie soll nun über das Wohl und Wehe der unterirdisch eingesetzten Soldaten wachen. Aus Berlin war der Leitende Militärdekan John Carsten Krumm angereist. Er übergab der Dienststelle - auf Leihbasis - ein Nagelkreuz.

Das Nagelkreuz steht als christliches Symbol für Vergebung und Neuanfang. Wie Oberfeldapotheker Hartmut Berge mitteilte, geht dies auf die Zerstörung der Kathedrale von Coventry (England) am 14./15. November 1940 durch deutsche Bombenangriffe zurück. Damals ließ der Domprobst Richard Howard die Worte "Father Forgive" in die Chorwand der Ruine einmeißeln. Diese Worte bestimmen das Versöhnungsgebet von Coventry, das die Aufgabe der weltweiten Christenheit umschreibt. "Das Nagelkreuz von Coventry steht heute als Zeichen der Versöhnung, des Friedens und der Feindesliebe an vielen Orten der Welt, wo Menschen sich unter diesem Kreuz der Aufgabe stellen, alte Gegensätze zu überbrücken und nach neuen Wegen in eine gemeinsame Zukunft zu suchen", so Berge.

Zur Feierstunde gab Dr. Jens-Christian Wagner von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora einen historischen Überblick über die Geschehnisse der NS-Zeit, die mit dem Bauprojekt "Turmalin" verbunden waren. Die Stiftung ließ, gemeinsam mit der evangelischen Militärseelsorge, eine Gedenktafel anfertigen, die direkt neben einem mannshohen Holzkreuz angebracht wurde. Das Kreuz hat Stabsunteroffizier Sebastian Schreinert angefertigt. Wagner betonte, dass die Schaffung dieses Gedenkortes in einer Anlage des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr nachahmenswert sei und die Dienststelle damit anderen als Vorbild dienen würde.

Große Teile der Stollenanlage im Regenstein waren in den Jahren 1944 bis 1945 von italienischen Kriegsgefangenen und jüdischen KZ-Häftlingen unter SS-Bewachung ausgebaut worden. Ursprünglich sollten in der Anlage Teile von V-Waffen produziert werden, wozu es jedoch durch das Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr kam.

Zur Feierstunde war auch die Jüdische Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg durch ihren Vorstandsvorsitzenden Wadim Laiter vertreten. Derzeit bemüht sich die Gemeinde in Magdeburg darum, mehr als 70 Jahre nach Beendigung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wieder eine neue Synagoge als Ort einer freien Religionsausübung zu errichten.

Zeitzeugen berichten

Als Ehrengast begrüßten die Anwesenden Albert van Hoeij aus Belgien. Er war Ende des Zweiten Weltkriegs als Kriegsgefangener in der Oesig interniert. In beeindruckender Weise nahm er die anwesenden Gäste in die Zeit der letzten Kriegsmonate mit und schilderte seine damaligen Erlebnisse. Mit Dieter Kuhlmann war auch ein Blankenburger anwesend, der in der Nachkriegszeit noch in den Baracken des Regensteins, unweit der Untertageanlage, gewohnt hatte.

Dienststellenleiter Oberfeldapotheker Hartmut Berge betonte, dass es ihm schon seit Längerem ein Anliegen sei, diesen Ort der Besinnung, aber auch des Gedenkens in der Untertageanlage zu schaffen. "Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern, aber für die Zukunft müssen wir aus ihr lernen", betonte der Standortälteste der Bundeswehr.