Jazz in Phantasiesprache zur "First Night", eine Oper im 1950er Jahre-Flair und ein Gerüst im Innenhof: Nichts ist bei den diesjährigen Schlossfestspielen so, wie in den Jahren zuvor. Das Publikum darf gespannt sein.

Wernigerode l Der Bergfried am Wernigeröder Schloss bleibt noch während der Schlossfestspiele eingerüstet - das ist für Christian Juranek schon jetzt absehbar. Die Restauratoren müssen am oberen Teil des Turms weiterarbeiten, im unteren Bereich werde das Gerüst weitestgehend verschwinden. "Es wäre Geldverschwendung, die ganze Baustelleneinrichtung abzubauen, nur um sie kurz nach den Festspielen wieder aufzubauen", sagte der Schloss-Geschäftsführer während einer Pressekonferenz zu dem Musikspektakel, das am Sonnabend, 26. Juli, mit der "First Night" beginnt.

Das Auftaktkonzert wird ungewöhnlich "unklassisch" vom Cristin Claas Trio und dem Philharmonischen Kammerorchester gestaltet. "Sie hat eine riesige Fangemeinde im Harz, ist auch bundesweit bekannt", sagt Orchesterchef Christian Fitzner. Die Jazz-Sängerin Cristin Claas bringt ihre Titel unter anderem in einer eigenen Phantasiesprache zu Gehör.

Das von weither sichtbare Gerüst am Bergfried kann dabei als Aufhängung für die Beleuchtung genutzt werden, die Cristin Claas und später die Darsteller der Smetana-Oper "Die verkaufte Braut" ins rechte Licht rückt. Das schlägt Regisseurin Karin Seinsche vor. Die gebürtige Schweizerin lässt ihre Inszenierung in den 1950er und 1960er Jahren spielen. Passend dazu werden die Kostüme gestaltet. "In der Oper trägt Marie ein stilisiertes Brautkleid." Übrigens: Kein Model, sondern Hauptdarstellerin Anna Dierl persönlich ziert die auffälligen Plakate, die in der Stadt vom Musikereignis des Jahres künden.

Anders als in den Vorjahren stehen die Solisten der Oper lange fest. Sie sind Studenten der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover und haben das Werk bereits im Sommer 2013 mit dem Kammerorchester auf Schloss Warburg aufgeführt. "Die Oper ist einstudiert", sagt Karin Seinsche. "Aber es ist keine Wiederaufnahme, sondern vielmehr eine Neuinszenierung in einem neuen Raum, dem Schlossinnenhof."

Und darum geht`s: Die Handlung spielt in einem Dorf an einem verregneten Tag während eines Kirchweihfestes. "Doch die heile Welt in dem Dorf ist nicht so schön und malerisch, wie es den Anschein hat", sagt Karin Seinsche. "Es geht knallhart um Geld, um Verträge. Das Glück der Jugend, sich frei zu entfalten, wird arg beschnitten." Marie wird aus der Not der Eltern heraus gezwungen, einen anderen zu heiraten - nicht denjenigen, den sie liebt. Sie wehrt sich dagegen. "Im Laufe des Abends steht jeder am Rande des Zusammenbruchs." Es entwickele sich ein Spiel um Rache, Betrug und Vergeltung. Karin Seinsche: "Das Stück zeigt, dass nicht alles heile Welt ist. Es ist total realitätsnah." Die Oper feiert am 8. August Premiere und wird bis zum 13. August noch sechs Mal aufgeführt.

Karten sind unter der biber ticket-Hotline Telefon (0391) 59 99 700, in den Volksstimme Service-Stellen sowie im Internet unter www.pkow.de erhältlich.

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