Eine neue Software, mehr Präsentationsfläche und ein elektronischer Katalog im Internet: Im letzten Jahr hat sich in der Stadtbibliothek viel verändert. Klaus Grünberg, Leiter der Einrichtung, zieht Bilanz.

Wernigerode. In der Stadtbibliothek am Klint 10 hat sich im vergangenen Jahr viel getan. Schwerpunkt der Neuerungen war die Umstellung auf eine Bibliothekssoftware. Dafür wurde das Haus in den Monaten Mai und Juni geschlossen und für die neue Technik ausgerüstet. "Zuerst mussten wir unseren Bestand mit Mikrochips versehen, auf denen die Daten der Medien gespeichert sind", erklärte der Leiter der Stadtbibliothek, Klaus Grünberg. Auch alle Nutzerdaten wurden in das System eingespeist, und die Mitglieder erhielten neue Ausweise. Wer etwas ausleiht, bekommt nun einen Bon mit dem Rückgabedatum. Stempel und Klappkarten sind damit passé.

Mit dem neuen System, räumte er ein, müssen er und seine Mitstreiter sich noch einfuchsen. Auf die Besucherzahlen habe sich die aufwändige Modernisierung aber nicht allzu stark ausgewirkt. "Durch die Schließung haben wir mit 3 056 Nutzern einen leichten Rückgang zu 3 214 Ausweisinhabern im Vorjahr. Entsprechend ist die Zahl der Entleihungen mit 143 353 im Vergleich zu 2009 (157 355) gesunken."

Das soll sich dank der Vorteile, die die neue Technik mit sich bringt, ändern. So können sich Bücherfreunde nun auch im Internet über vorhandene Medien informieren. Den Link zum Katalog finden sie auf der Seite der Stadt. Zusätzlich sind hier die Bestände der Stadtbüchereien Ilsenburg und Halberstadt einsehbar. Klaus Grünberg: "Damit haben wir die Vorstufe der Zusammenarbeit zwischen den Bibliotheken im Harzkreis erreicht." Bislang ist es Wernigeröder Leseratten noch nicht möglich, Medien aus dem Bestand der anderen Bibliotheken in die hiesige zu bestellen. Im neuen Jahr werden die Funktionen des elektronischen Katalogs aber so weit vervollständigt, dass sie auch online verlängern und vorbestellen können.

Räumlich hat sich die Service-Einrichtung ebenfalls verändert – mit dem Ergebnis, dass sich Besucher freier bewegen können. Statt zwei gibt es nur noch einen Verbuchungsplatz. Demnächst wird zudem die Präsentationsfläche um einen Raum erweitert. Dafür zieht das Büro aus dem Parterre in die zweite Etage. So kann der Bestand von derzeit 90 000 Medien, die die Stadtbibliothek gemeinsam mit der Harzbücherei hat, weiter aufgestockt werden. 2010 kamen 7632 neue Bücher und CDs hinzu. Demgegenüber wurden 12 044 Titel ausrangiert, die über fünf Jahre nicht mehr ausgeliehen wurden.

Doch welche Bücher waren 2010 dagegen ständig vorbestellt? "Besonders groß war die Nachfrage nach Ken Follets ¿Sturz der Titanen‘ und der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson", sagte der Bibliotheksleiter. Das umstrittene Buch von Thilo Sarrazin, "Deutschland schafft sich ab", sei der Dauerbrenner unter den Sachbüchern gewesen. Für jugendliche Leser erwies sich "Evermore" von Alyson Noël als einer der Spitzenreiter.

"Hörbücher liegen im Trend"

Überhaupt sei der Zulauf aus der Zielgruppe der jungen Erwachsenen gestiegen. Ein weiterer Trend: "Es wurden sehr viele Hörbücher aller Art ausgeliehen. Zusammen mit DVDs machten sie letztes Jahr 27 Prozent der gesamten Entleihungen aus – so viel wie noch nie", sagte Klaus Grünberg. Zu den 1870 bereits vorhandenen Hörbüchern wird im neuen Jahr sicher eine Vielzahl hinzukommen. Auch im Bereich Reiseführer wolle die Bücherei für eine aktuellere Auswahl sorgen.

Nicht zuletzt wollen er und seine Mitarbeiter auch dieses Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen locken. "Letztes Jahr hatten wir insgesamt 179 Angebote, davon 160 für Kinder." Bereits geplant sind 2011 unter anderem folgende Termine: Am 16. Februar lädt die Stadtbibliothek zum Kreisausscheid der Sekundarschulen im Rahmen des 52. Vorlesewettbewerbs, und am 12. April liest die Autorin Irina Liebmann aus ihrem Buch "Wäre es schön? Es wäre schön! Mein Vater Rudolf Herrnstadt".