Wernigerode l Die Telefone stehen nicht mehr still. Im Sekundentakt gehen Anrufe von aufgeregten Bürgern ein, heißt es aus dem Rathaus - ob beim Ordnungsamt oder im Vorzimmer des Oberbürgermeisters. Die häufigsten Fragen der Anwohner: "Warum fährt mein Bus nicht wie gewohnt? Wie soll ich durch die Sperrungen zur Arbeit kommen? Wo darf ich parken?"

Letzteres ist vor der Stadtküche Am Vorwerk derzeit nicht möglich. "Absolutes Halteverbot - ausgerechnet dort, wo wir aufgrund der gesetztlichen Hygiene-Vorschriften die Autos beladen müssen", berichtet eine Mitarbeiterin. Darüber sei zuvor nur unzureichend informiert worden. Auch habe das Unternehmen mit Umsatzeinbußen, verursacht durch den Sachsen-Anhalt-Tag, zu rechnen. "Zum Teil können wir die Kunden, die im Stadtgebiet wohnen, bis Dienstag nicht mehr beliefern. Wir schließen über das Wochenende", berichtet die Mitarbeiterin.

Mit warmen Mahlzeiten konnten die Kunden nur bis Donnerstag beliefert werden. Früher als gewohnt - die Bringzeiten wurden wegen Sperrungen und Umleitungen vorverlegt. Jedoch hatten die meisten Kunden Verständnis. Ein Problem bleibt: Das Essen wird in Warmhalte-Behältern gebracht. Das Küchen-Team wisse noch nicht, wie sie die bereits gelieferten wieder einsammeln soll. Denn trotz Ausnahmegenehmigung für die Essensversorger ist die Durchfahrt nicht überall möglich.

Freie Fahrt hat hingegen Ulrike Böttcher. Vier Wochen lang hat die Allgemeinärztin gebangt, ob sie zum Sachsen-Anhalt-Tag ihre Praxis in der Breiten Straße per Auto erreichen kann. "Nachdem wir den Antrag gestellt haben, haben wir zehn Tage lang versucht, die Stadtverwaltung zu erreichen", sagt sie. Vor zwei Tagen traf die Vignette per Bote ein.

Auch am heutigen Freitag hält sie ihre Sprechstunde ab. "Wir haben Patienten von außerhalb informiert und bei Bedarf Termine verlegt", sagt Ulrike Böttcher. Bei einem Vorlauf für Arzttermine von acht Wochen sei das kompliziert.

Zusätzlich hat die Medizinerin am Sonnabend den ärztlichen Bereitschaftsdienst für Wernigerode und den Harz inne. "Ich werde vom Fahrdienst, der über eine Durchfahrtgenehmigung verfügt, zu den Patienten gebracht", so Ulrike Böttcher. Doch zwischendurch muss sie in die Praxis - und hoffft, dass dies nun problemlos möglich ist.

Probleme haben aber einige Hoteliers in der Stadt. Deren Gäste sollten mit ihrer Buchungsbestätigung die Kontrollpunkte passieren dürfen, doch manche wurden bereits bei der Anreise angehalten. Das Altwernigeröder Apparthotel geht solchen Problemen vorsorglich aus dem Weg. "Wir haben unseren Gästen, die mit dem Auto anreisen, empfohlen, die öffentlichen Parkplätze außerhalb zu nutzen", sagt Empfangschefin Sandra Hoppe. Dort werden sie abgeholt.

Durchaus positiv sieht Karola Koch die Prognose für das mehrtägige Landesfest. "Wir freuen uns auf mehr Umsatz und den Trubel", sagt die Filialleiterin eines Harzer Spezialitätengeschäfts in der Breiten Straße. Damit für die Tage genug Ware vorhanden ist, habe sie die Lieferungen vorverlegt. "Wir haben bereits vergangene Woche angefangen", so Karola Koch. Wie die meisten ihrer Mitarbeiter tritt sie in den kommenden Tagen in die Pedale - sie nimmt das Fahrrad für den Arbeitsweg. "Wir haben versucht, die Dienstpläne abzustimmen, mit Rücksicht auf die Mitarbeiter, die nicht aus Wernigerode kommen."