Der Wettbewerb für die neuen Fenster, die die Wernigeröder Johanniskirche zieren sollen, ist abgeschlossen. Drei Künstler haben ihre Entwürfe vorgelegt. Die Gemeinde hat nun die Qual der Wahl. Einen Favoriten gibt es bislang nicht.

Wernigerode l Was darf es denn sein - ein leuchtendes Blau kombiniert mit Orange, ein zurückhaltendes Gelb-Grün-Braun oder eher kühle Rottöne, gemixt mit Blau und Grau? Die Qual der Wahl haben die Mitglieder der Wernigeröder Johannisgemeinde. Sie entscheiden, wie die neuen Kirchenfenster aussehen sollen, die ihr Gotteshaus braucht (Volksstimme berichtete).

Im Zuge der Bombardierung Wernigerodes am 22. Februar 1944 waren die Fenster zerstört worden. Nach dem Krieg sind einfache Glasscheiben eingesetzt worden, die keine Zukunft mehr haben. Zum einen muss das sie umgebende Maßwerk saniert werden, zum anderen sollen sie Fenstern weichen, die den kostbaren, fast 500 Jahre alten Schnitzaltar vor Sonneneinstrahlung schützen, so Pfarrerin Heide Liebold.

Deshalb hatte die Gemeinde drei Glaskünstler um Entwürfe für die Neugestaltung gebeten, die derzeit in der Kirche ausgestellt sind. Eine 13-köpfige Jury aus Denkmalschutzexperten sowie Vertretern der Stadtverwaltung, des Stadtrates und der Kirche hat die Vorschläge begutachtet. "Wir haben einen ganzen Tag lang beratschlagt", berichtet Heide Liebold.

Ein Sieger wurde nicht gekürt, stattdessen zwei zweite Plätze und ein dritter Platz vergeben. "Kein Entwurf hat alle Vorgaben erfüllt", sagt Heide Liebold. Die neuen Fenster sollten einen passenden, möglichst dezenten Rahmen für den Altar bieten. Damit dessen Bildprogramm zur Geltung kommt, sind figürliche Darstellungen tabu. Neben dem Schutz vor UV und Infrarot-Strahlung sollte der Entwurf zur Gemeinde passen und, mit Blick auf die Geschichte, die Themen "Zerstörung und Frieden" aufgreifen.

Günter Grohs aus Wernigerode, Katrin Köstler aus Quedlinburg und Andreas Wolff aus Berlin haben die Aufgabe ganz unterschiedlich interpretiert. Während Grohs zurückhaltend und klassisch mit Bleiglas arbeitete, hat Andreas Wolff das Thema Frieden in den Vordergrund gerückt. Katrin Köstler wiederum hat auf die Farben des Altars Bezug genommen. "Es sind viel versprechende Ansätze dabei", sagt Heide Liebold.

Gefragt sind nun die Gemeindemitglieder, denen die Entwürfe bereits vorgestellt worden sind. Beim Sachsen-Anhalt-Tag haben zahlreiche Besucher ihre Meinung kundgetan. Die Sammelbox für Briefe, die die Gemeinde aufgestellt hat, ist gut gefüllt, sagt Heide Liebold. "Wir geben uns bis zum Erntedankfest Zeit." Wenn zum Jahresende die Entscheidung endgültig feststeht, könnte man verhandeln, wie der ausgewählte Beitrag den Wünschen der Gemeinde angepasst werden kann. "Es ist kein Entwurf dabei, der eins zu eins umgesetzt werden könnte", so Heide Liebold. Dann könne die Finanzierung angeschoben werden. "Wir hoffen, dass wir zu Weihnachten 2015 das erste Fenster eingebaut haben."