Seit 2005 gibt es den Gestaltungswettbewerb "Höfe halten Hof". Doch was ist aus den Höfen von damals geworden? Harzer Volksstimme besuchte einige Preisträger und Teilnehmer, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Heute: Marlies Golze in Reddeber.

Reddeber l Mit ein bisschen Hilfe hat sich Marlies Golze ihr eigenes kleines Paradies geschaffen. Ein Steingarten mit verschiedenen Stauden und Gräsern, ein schattenspendender Baum, die Fläche vor dem Haus akkurat gepflastert, farblich abgesetzt und geschwungen der Weg, der Besucher zum Geschäft führt. "Mein maßgeschneiderter Hof", schwärmt die Schneidermeisterin. Es sei eine gute Idee gewesen, vor vier Jahren am Gestaltungswettbewerb "Höfe halten Hof" teilzunehmen.

17 Jahre ist es her, dass sie die ehemalige Kaufhalle in Reddeber übernahm. Sie verwirklichte ihren Traum und richtete ein Nähatelier ein. Nur mit der Fläche vor ihrer Schneiderei war sie unglücklich. "Es sah aus wie 1974, als das Haus erbaut wurde. Keine schöne Visitenkarte für mein Geschäft." Die großen Granitplatten waren mittlerweile zerfahren und kaputt, an der Seite stapelten sich Flaschenkästen - viel hatte sich seit DDR-Zeiten hier nicht verändert. "Ich selbst hatte auch keinen richtigen Plan, wie man den Hof verschönern könnte." Auf den Rat einer Kundin bewarb sie sich schließlich für den Gestaltungswettbewerb. Frank Schmidt, Gartenamtschef bei der Wernigeröder Stadtverwaltung, und andere Gartenbauexperten besichtigten daraufhin ihren Hof. "Ich mag es, wenn es von Februar an das ganze Jahr über blüht", sagt Marlies Golze. "Das war meine Bitte an die Fachleute." Darüber hinaus sollte der Eingang zur Maßschneiderei behindertengerecht gestaltet werden, die hässliche alte Mauer vor dem Grundstück verschwinden.

Nach dem Treffen begann die eigentliche Arbeit für die Schneidermeisterin. "Es hat Jahre gedauert, bis der Hof fertig war." Von der farblichen Auswahl der Steine über den Einkauf der Pflanzen wie Rhododendron, Blauschwengel und Zaubernuss bis zur Platzierung der Findlinge: "Es war ein langer Kampf." Von der Idee, einen Steingarten anzulegen, war sie zunächst nicht begeistert. "Das war schon gewöhnungsbedürftig." Doch sie ließ sich von den Fachleuten überzeugen und hat es bis heute nicht bereut. "Mir war wichtig, dass alles gut zueinander passt - auch farblich."

Deshalb findet sich der Beerenton von der Gebäudefassade ebenfalls in den Perückenbüschen und im Japanischen Ahorn im Beet wieder. Dazu wurden Rosen in Rot und Weiß gepflanzt. "Diese Blumen strahlen für mich Romantik aus, das passt zu meinem Geschäft, weil ich Brautmode anbiete." Eine alte Nähmaschine als Hingucker ergänzt das Pflanzen- und Steinensemble. Lieblingsstück von Marlies Golze ist die Schneiderpuppe aus weißem Metall. Drumherum rankt sich wie ein Kleid zweifarbiges Efeu. Übrigens: Auch in den Abendstunden lohnt sich ein Blick auf das Nähatelier. Scheinwerfer tauchen das Gebäude und den Vorgarten in ein weiches Licht.

Mit dem neuen Hof ist in Reddeber ein Schandfleck verschwunden. Doch für Marlies Golze geht die Arbeit weiter. In den nächsten Wochen will sie sich auf Gestaltung und Ausbau der Innenräume konzentrieren.

 

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