In der Breiten Straße entsteht derzeit ein neues Hostel. Damit zieht wieder Leben in das denkmalgeschützte Haus neben der Krellschen Schmiede ein, das Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde.

Wernigerode l Aus dem Hinterhof des Hauses Breite Straße Nr. 97 klingt lautes Hämmern. Maurermeister Olaf Brauckmann arbeitet hier seit März. Sein Auftrag: Die alte Brennerei zu einem Hostel umzubauen. Sein Auftraggeber: Udo Skauradschun, Bauunternehmer aus Hannover mit Wernigeröder Wurzeln. Für die Partwin GmbH, die ihren Firmensitz im österreichischen Salzburg hat, lässt er das Gebäude neben der Krellschen Schmiede, das jahrelang leer gestanden hat, derzeit von Grund auf sanieren.

"Der Charakter der Fassade und der Fenster bleibt erhalten."

Udo Skauradschun, Bauunternehmer

Vier Jahre haben die Planungen in Anspruch genommen, berichtet der 57-Jährige. Die ehemalige Kornbrennerei wurde im Jahr 1641 erbaut und zählt als Einzeldenkmal zu den besonders geschützten Gebäuden in der Innenstadt. Deshalb waren zahlreiche Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen. Der Genehmigungsmarathon liegt hinter ihm und Skauradschun lobt die Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde und der Wernigeröder Stadtverwaltung. "Das ist beispielhaft."

Im November vergangenen Jahres haben die Bauarbeiter das Projekt begonnen. Zunächst war Aufräumen angesagt. "Der ganze Hof war zugebaut", erklärt Skauradschun. Die Bewohner hatten seit den 1970er-Jahren zahlreiche Anbauten errichtet. Im Keller, der zugeschüttet werden musste, befand sich eine Champignonzucht. Im Inneren ist nicht mehr viel geblieben, wie es war. "Das ganze Gebäude ist entkernt worden und wird komplett neu ausgebaut. Der Charakter der Fassade und der Fenster bleibt aber erhalten", sagt der Bauunternehmer. Das gilt auch für den langgestreckten Anbau entlang der Grünen Straße.

Auf rund 2000 Quadratmetern sollen bis Ende 2015 etwa 40Zimmer entstehen. "Wir wollen Rucksacktouristen und mobile Leute ansprechen, die durch die Gegend reisen, aber auch Familien mit Kindern", so Skauradschun. Für Letztere soll es Familienzimmer geben, die mehr Platz bieten, um so den Bedürfnissen von Jung und Alt Rechnung zu tragen. Geplant sind zudem Gemeinschaftsräume sowie ein Selbstbedienungsrestaurant.

Die Kosten für das Vorhaben liegen "im einstelligen Millionenbereich", sagt Skauradschun. Bund, Land und Stadt geben über das Gemeinschaftsprogramm zur Städtebauförderung Geld dazu. Der Unternehmer ist optimistisch, dass sich die Investition lohnt. "Für Hostels ist das Potenzial in Wernigerode noch nicht ausgeschöpft." Bisher gibt es nur ein Hostel in der Stadt. "Im Westen sind sie viel weiter verbreitet. Und hier wird das sicherlich auch kommen", sagt der 57-Jährige. Zudem sei die Lage in der Innenstadt optimal.

Die alte Brennerei, neben der Krellschen Schmiede erbaut, war früher sowohl Produktionsstätte als auch Wohnhaus der Eigentümer. Um 1900 erfolgte ein Anbau für den Kornspeicher. Ein Teil der Bebauung an der Rückfront des Gebäudes wurde beim Bombenangriff auf Wernigerode zerstört. Hier entsteht ein Neubau.