Die Oper "Die verkaufte Braut" bildet den musikalischen Höhepunkt der diesjährigen Wernigeröder Schlossfestspiele. Im Volksstimme-Gespräch verrät Bühnenbildner Hans-Jürgen Kutzner, auf welche optischen Überraschungen sich die Zuschauer freuen können.

Wernigerode l Auf dem Schloss geht die Sonne auf - zumindestens während der Wernigeröder Schlossfestspiele. Die riesige gelbe Sonne gehört zum Bühnenbild der Smetana-Oper "Die verkaufte Braut". Ebenso wie der angedeutete Zaun und die Sonnenblumen.

"Die eigentliche Kulisse ist schon vorhanden", sagt Bühnen- und Kostümbildner Hans-Jürgen Kutzner. "Der romantische Schlossinnenhof." Die märchenhafte Wirkung der von Efeu berankten Schlossmauern wolle er nicht durch eine künstliche böhmische Szenerie zerstören. "Viel lieber möchte ich kleine Akzente setzen", sagt der 63-jährige Hannoveraner. "Das Kunstwerk entsteht dann im Kopf des Betrachters."

Zusammen mit Regisseurin Karin Seinsche habe er ein Konzept für die Ausstattung der Oper entwickelt. "Sie hat sich gewünscht, die Handlung optisch in die 1950er Jahre zu verlegen - mit Rock`n`Roll-Kostümen und Petticoats." Hauptfigur Hans sei als richtiger Rocker mit Lederjacke angelegt. "Für ihn habe ich ein Elvis-T-Shirt entworfen."

"Die Oper steckt voller liebenswerter Details. Dadurch habe ich viel Spielraum."

Bühnenbildner Hans-Jürgen Kutzner

Die Bühne selbst werde nicht mit großen Kulissen zugestellt, kündigt Hans-Jürgen Kutzner an. "Sie ist gerade sieben mal acht Meter groß." Die Oper biete jede Menge Action, wie zum Beispiel eine temperamentvolle Polka. "Die Sänger müssen sich bewegen können. Da bleibt nicht viel Platz für ein Bühnenbild." Dafür aber für Requisiten wie Tische und Stühle. Eine wichtige Rolle spielen zudem die 24 Bierkästen, die Kutzner extra aus Holz hat anfertigen lassen. "Sie stehen nicht bloß in der Ecke, sondern werden in immer wieder neuen Konstellationen arrangiert."

Die Oper sei ein äußerst dankbares Thema für einen Bühnenbildner. "Sie steckt voller liebenswerter Details. Dadurch habe ich viel Spielraum." Alles möchte Hans-Jürgen Kutzner aber noch nicht verraten. "Einige Überraschungen sind geplant. Nur so viel: Am Ende wird die Braut in einem Hochzeitskleid auftreten, das keine Wünsche offen lässt."

Es ist nicht das erste Mal, dass der 63-Jährige mit Karin Seinsche zusammenarbeitet. So habe er unter ihrer Regie schon die Opern "Cosi van tutte" und "Entführung aus dem Serail" ausgestattet. Für diese Saison ist noch "La Boheme" geplant. Dabei ist der Tausendsassa mehr oder weniger über Umwege zum Bühnenbildner geworden. "Eigentlich habe ich Evangelische Theologie studiert, war richtiger Pfarrer mit einer Gemeinde." Darüber hinaus studierte er Kunstwissenschaft und Christliche Archäologie. "Dazu bin gelernter Bildhauer, habe mich früher viel mit Performance beschäftigt." An der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig unterrichtete er zudem Raumästhetik und Architekturtheorie. Nebenher berät er Gemeinden mit vom Abriss bedrohten Kirchen. Und das ist noch längst nicht alles. In seiner Freizeit schreibt Kutzner wissenschaftliche Artikel. "Was macht Raum aus? Das ist mein Lebensthema. Da kommt man ganz automatisch irgendwann zum Bühnenbild." Für den 63-Jährigen schließt sich damit ein Kreis. "Durch den Beruf meines Vaters bin ich als Kind sozusagen zwischen Kulissen aufgewachsen, habe mit vier Jahren mein erstes Bühnenbild entworfen. Daran knüpfe ich jetzt wieder an."

In den kommenden Tagen ist das Schloss sein Arbeitsplatz. Der größte Teil der Ausstattung ist bereits vor Ort. Die eine oder andere Requisite muss noch in Wernigerode besorgt werden. Auf einige Lieferungen warte er noch. "Wahrscheinlich erwarten mich kurz vor der Premiere noch einige kleine Katastrophen. Aber das macht die Arbeit spannend. Dann muss ich improvisieren."

Übrigens: "Die verkaufte Braut" ist für Hans-Jürgen Kutzner ein Projekt in Familie. Seine Tochter Lena wird als Solistin in der Rolle der Ludmilla zu erleben sein.