Reddeber l Wenn Pflanzen wachsen, wo sie sollen, dann lacht das Gärtnerherz. Wenn aber das Grün dort ins Kraut schießt, wo es nicht sollte, ist das ein Problem. In Reddeber wuchert es in Grünanlagen und an den Gräben schon seit Wochen beinahe ungebremst. Die Einwohner ärgert das.

Besonders der Ortseingang gebe kein gutes Bild ab, sagt Uta Hill am Volksstimme-Lesertelefon. "Es sieht richtig ungepflegt aus. So schlimm war es noch nie", sagt die Reddeberanerin. Horst Schädel pflichtet ihr bei. "Schon am Dorfeingang sind Gräser, Blumen in allen Farben, auch Disteln, Unkräuter aller Art und Stauden bis 1,20 Meter hoch zu bewundern", schreibt der ehemalige Ortsbürgermeister. Alarm geschlagen haben auch die Anwohner der Sackstraße. Sie sind froh, dass sich in dieser Woche etwas tut - Mitarbeiter der Lebenshilfe befreien im Auftrag des Unterhaltungsverbandes Ilse-Holtemme die Gräben von wucherndem Grün.

Angst vor Überflutung

Allerdings sei es dafür ganz schön spät. "Normalerweise wird im Juni gemäht", sagen Helmut Bläß und Tino Kunze. Die Pflanzen seien schon durch die Zäune in benachbarte Gärten hineingewachsen. "Da habe ich selbst zur Handsense gegriffen, obwohl wir das eigentlich nicht dürfen", sagt Kunze. Und mit Blick auf die jüngsten Hochwasserschäden beschleicht die Reddeberaner ein ungutes Gefühl. "Wenn das Unwetter bei uns heruntergekommen wäre, wären wir abgesoffen", sagt Bernd Rettmer, langjähriges Mitglied im Ortschaftsrat. Er hofft, dass die Gräben im Herbst erneut gemäht werden, zumal die Vegetation diesmal stark wächst.

Doch dieser Wunsch wird nicht erfüllt. "Einmal im Jahr muss reichen", sagt Andrea Reimann vom Unterhaltungsverband Ilse-Holtemme. Das sei eine Kostenfrage. "Würden wir öfter mähen, müssten wir den Jahresbeitrag der Mitglieder erhöhen." Städte und Gemeinden müssten mehr zahlen.

Grünpflege nach Plan

Grundsätzlich werde bei der Gewässerschau im Frühjahr mit der Unteren Wasserbehörde festgelegt, welche Gräben wann und in welchem Umfang beräumt werden. Der Unterhaltungsplan, der im Anschluss geschrieben wird, wird dann von Anfang Juni bis Ende September abgearbeitet. Seit vergangenem Jahr sei die Lebenshilfe Wernigerode mit einem Teil der Arbeiten beauftragt. "Wann sie diese ausführt, ist der Lebenshilfe selbst überlassen", sagt Andrea Reimann.

Was die städtischen Grünanlagen betrifft, gibt es in Reddeber einen Rückstand, weil ein Teil der Aufgaben an eine Fremdfirma vergeben worden war. Diese hatte ihr Soll nicht erfüllt und ist mittlerweile von dem Auftrag entbunden worden (Volksstimme berichtete). "Was liegen geblieben ist, wird dieser Tage durch unsere Gemeindearbeiter nachgeholt", sagt Andreas Meling, Sprecher der Wernigeröder Stadtverwaltung. Allerdings kämen diese bei dem gegenwärtigen feuchten Wetter nicht so rasch voran. Es könne außerdem sein, dass manchmal Randstreifen bewusst nicht gemäht würden, um etwa Bienen einen Anlaufpunkt zu bieten. "Das ist für Anwohner vielleicht nicht immer schön anzusehen, ist aber im Sinne des Naturschutzes."