Wernigerode l Mülltouristen in den Wohngebieten der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG) haben keine Chance mehr. Mit dem Jahreswechsel hat die Genossenschaft nach Stadtfeld, Harzblick und Ilsenburger Straße nun auch das Wohngebiet Burgbreite mit Müllschleusen ausgestattet. Sie ermöglichen nur WWG-Mietern den Zugang und vor allem eine genaue mengenabhängige Gebührenabrechnung. Nach einem Probelauf 2011 wurden die Schleusen in den vergangenen Jahren schrittweise an allen Müllplätzen der Genossenschaft installiert.

Die Mieter haben dafür einen mit einem Chip versehenen Schlüsselanhänger erhalten. Halten sie diesen an ein Lesegerät, werden verschieden große Klappen entriegelt. Zwischen fünf, zehn und 20Litern Abfallvolumen können sie wählen. Die jeweilige Menge wird elektronisch registriert und kann so exakt abgerechnet werden.

"Wir sind sehr zufrieden mit dem System", bilanziert WWG-Vorstand Christian Linde. Die Hausmüllmenge habe sich seit Einführung der Schleusen halbiert. "Wir haben uns überlegt, wie wir für unsere Mieter Kosten sparen können", sagt Linde. Bei der Mülltrennung hätte es noch Verbesserungsbedarf gegeben. Zu viele Wertstoffe seien früher in den Tonnen gelandet und haben die Entsorgungskosten in die Höhe getrieben, so der Genossenschafts-Vorsitzende. Vor allem aber mussten Mieter, die Müll vermeiden und Wertstoffe trennen, für diejenigen mitbezahlen, die sämtlichen Abfall in den Hausmülltonnen entsorgt haben. "Unnötig hohem Wasserverbrauch und Verschwendung von Heizenergie konnte man auch erst mit der Einführung von Wasseruhren und Heizungszählern ein Ende bereiten", so Linde. Müllschleusen hätten eine ähnliche Wirkung.

Konkret heißt das, dass in den WWG-Häusern im Stadtfeld im Jahr 2013 gegenüber 2011 bereits 72 Prozent der Abfallgebühren eingespart wurden, im Harzblick waren es 54 und in der Ilsenburger Straße 50 Prozent. Bei den gesamten Gebühren inklusive Betriebskosten für die Müllanlagen sind die Ausgaben im Stadtfeld um 28, im Harzblick um 13 und in der Ilsenburger Straße um 24 Prozent gesunken.

Doch die Müllschleusen haben zu neuen Problemen geführt. Während früher zu viele Wertstoffe in den Hausmülltonnen lagen, landet heute zu viel Restabfall in den gelben Säcken. "Der Entsorger lässt solche Säcke dann stehen", sagt Linde. Ein zweites Problem seien Mieter, die ihren Müll nicht über die Schleusen entsorgen, sondern einfach davor stellen. "Diese Abfallbeutel analysieren wir intensiv, es findet sich fast immer ein Hinweis auf den Verursacher", sagt Linde. Der müsse die Kosten zahlen.

Zur Kasse werden die Mieter noch immer für illegal abgelagerten Sperrmüll gebeten. Vor der Einführung der Schleusen seien Möbelteile und verbogene Wäscheständer in die Mülltonnen gepresst worden, sagt Linde. Der Entsorger hätte dann die Rechnung geschickt. Heute passen die großen Teile nicht mehr durch die Klappen der Schleusen und landen stattdessen neben den Behältern. Kann der Verursacher nicht ermittelt werden, müssten alle Mieter bezahlen. Dabei lasse sich Sperrmüll auf den Entsorgungshöfen der Enwi kostenlos abgeben, so Linde.

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