Eine Bierlaunen-Idee hat tausende Besucher in den Oberharz gelockt: "Rocken am Brocken". Zum achten Mal verwandelten Musikliebhaber das kleine Elend in ein großes Festival-Gelände.

Elend l Drei Männer im gesetzteren Alter betreten, schick in Anzüge gekleidet, die Bühne. Wer jetzt Schlager oder klassische Musik erwartet, der irrt. "Triggerfinger" spielen Rock. Mit vollem Körpereinsatz. Bis ihnen der Schweiß von der Stirn rinnt. Spätestens bei ihrem bislang bekanntesten Hit - dem Lykke Li-Cover von "I Follow Rivers" - haben die Belgier das Publikum in ihren Bann gezogen.

Das Trio ist der Headliner, also die Hauptattraktion, des diesjährigen "Rocken am Brocken"-Festivals am Wochenende. Mit rund 4500 Zuschauern hat sich die Einwohnerzahl von Elend an diesen drei Tagen mehr als verzwölffacht. Die Zelte der Feiernden verwandeln die Wiese am Ortsrand in Richtung Braunlage in eine regelrechte Campingstadt.

Gefeiert wird nicht nur auf dem Gelände. "Viele Festival-Teilnehmer nutzen das schöne Wetter, um sich im Freibad zu entspannen und neue Kraft für eine weitere Partynacht zu sammeln", berichtet Lars Meißner vom Förderverein des Waldbades. "Alle Mitglieder freuten sich über die sehr guten Besucherzahlen und das viele Lob für die Anlage." Diese dient mittlerweile traditionell als Austragungsort eines Beachvolleyball- und eines Fußballturniers während des Musikfestivals.

Über die Besucherströme freuen sich ebenfalls ansässige Händler, Kiosk-Besitzer und Bürger. "Wir haben viel Positives von den Anwohnern gehört", versichert Chef-Organisator Markus Blanke. Sein Kompagnion Alexander Krüger bestätigt diesen Eindruck: "Elend freut sich, dass wir da sind, und das ist gut für uns".

2007 fand "Rocken und Brocken" zum ersten Mal statt. Elend war dafür mehr oder minder die Notlösung. Ursprünglich sollte das Fest in Wernigerode stattfinden. Dort haben Markus Blanke und zwei seiner Freunde studiert. Aus einer Bierlaune heraus wollten sie eine große Party veranstalten, erhielten jedoch keine Genehmigung. "In Elend hat man uns mit offenen Armen empfangen. Von Bürgermeister Carsten Brett wurden wir beispielsweise von Anfang an unterstützt", betont Blanke.

Damals pilgerten rund 500 Feierlustige nach Elend. Im Laufe der Jahre wurden es fast zehnmal so viele. Weiter soll das Festival jedoch nicht wachsen. "Der familiäre Charakter ist das, was uns ausmacht. Wir sind an Grenzen gestoßen, die wir auch gar nicht überschreiten wollen", so Blanke. "Wir haben uns eine große Toleranz und Akzeptanz in der Region erarbeitet, die wir nicht strapazieren wollen. Man darf auch nicht vergessen, dass das Gelände im Naturschutzgebiet liegt", sagt Alexander Krüger.

   

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