Halberstadt l Bei der Polizei wird Ordnung und Korrektheit ganz groß geschrieben. Das gilt auch für den Hof im Halberstädter Polizeirevier, wo eine exakte Parkordnung gilt. Am Montagmittag war es mit der Ordnung zumindest punktuell vorbei. Gegen 13.30 Uhr kamen die geballten Naturgewalten in Form sintflutartiger Regenfälle über die Kreisstadt. Weil die Regenwasserkanäle die Sturzfluten nicht aufnehmen konnten, staute sich das Wasser im nahen Kanalsammler zurück, flutete den Parkplatz im Hof des Polizeireviers gut und gern zehn Zentimeter hoch und schoss schließlich in zwei Keller des betagten Gebäudes in der Plantage.

"Binnen kürzester Zeit stand die Brühe geschätzte 40 bis 50 Zentimeter hoch im Keller", berichtete Polizeisprecher Peter Pogunke. Spätestens da war der Moment gekommen, an dem die Retter in Notlagen selbst die rettenden Engel von der Feuerwehr brauchten. Die Floriansjünger rückten mit ihrer Pumptechnik an und legten die Keller wieder trocken. Größere Schäden richteten die Fluten nach Pogunkes Worten nicht an - "unsere gesamte Technik wird in oberen Etagen gelagert. Unsere Einsatzfähigkeit ist nicht betroffen."

Der Einsatz im Polizeirevier war nur einer von insgesamt zwölf, wie Jörg Kelle von der Halberstädter Feuerwehr gegen 16.30 Uhr bilanzierte. Insgesamt seien 44 Mitglieder der hauptamtlichen Wachbereitschaft und von den freiwilligen Ortswehren Halberstadt, Emersleben sowie Klein Quenstedt am Nachmittag in Sachen Trockenlegung mit zehn Fahrzeugen unterwegs gewesen.

Neben dem Polizeirevier waren viele weitere Keller betroffen. Und auch das Seniorenzentrum "Haus Spiegelsberge" wurde erneut zum Einsatzort. Dort drückte - wie schon beim Extremregen am vergangenen Dienstag - wieder das aufgestaute Wasser durch Terrassentüren ins Erdgeschoss. Wie es hieß, mussten sechs Bewohner in andere Räume unziehen. Dank der Hilfe der Feuerwehr sowie der Heimmitarbeiter gingen der Umzug und auch der Rückumzug am späten Nachmittag reibungslos über die Bühne.

Nicht nur hier wurden die Feuerwehrleute zum Rettungsanker, sondern auch in den Thekenbergen. Dort waren es - nach der Polizei - erneut Retter, die Retter benötigten. Das Team eines Krankenwagens war im Wald unterwegs, um einem Verletzten zu helfen. Dabei rutschten die Sanitäter mit ihrem Mercedes-Transporter seitlich vom völlig aufgeweichten Waldweg und fuhren sich Morast fest.

"Den Patienten konnten wir mit Hilfe eines weiteren Rettungswagens aus dem Wald abtransportieren", berichtet Feuerwehrchef Kelle. Die Bergung des feststeckenden Krankenwagens gestaltete sich allerdings aufwändig. Edgar Nose - Chef der Ortsfeuerwehr Klein Quenstedt und beruflich bei einem Landwirt beschäftigt - lieh sich bei seinem Chef einen John-Deere-Traktor und wurde so zum rettenden Engel. Nose zog den Rettungswagen mit dem Traktor buchstäblich aus dem Dreck. "Problem gelöst", berichtete Wehrchef Jörg Kelle wenig später und fügte augenzwinkernd hinzu: "Bei uns klappt schließlich alles."

 

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