Im Wernigeröder Stadtfeld wird täglich Sperrmüll auf die Straße gestellt - oft unangemeldet. Die großen Vermieter sind gezwungen aufzuräumen, damit das Viertel nicht im Abfall versinkt. Verhindern können sie wilde Ablagerungen kaum.

Wernigerode l Der Lieferwagen biegt im strömenden Regen in die Kohlgartenstraße ein. An der Ecke stehen Polstersessel, daneben Sperrholzplatten und Tüten mit Abfall. Wer sie abgestellt hat, weiß Frank Helbig nicht. Klar ist aber: "Angemeldet ist das nicht." Der Unternehmer sammelt im Auftrag der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG) täglich wilden Sperrmüll ein - obwohl die Abfallwirtschaft Nordharz diesen jeden Mittwoch nach Anmeldung am Sperrmüllplatz im Wernigeröder Stadtfeld abholt. Mit den wilden Müllablagerungen haben die großen Vermieter in den Neubauwohngebieten ständig zu kämpfen.

Am Freitagvormittag ist Helbigs Lieferwagen bis unters Dach vollgestellt. "Auch der Anhänger ist voll", sagt er. Fernseher, Regale, Matratzen, eine alte Fritteuse voll Fett - es gibt nichts, was nicht an der Straße und neben den Müllplätzen abgestellt wird, weiß auch WWG-Hausmeister Frank Hempel. "Jeden Tag räumen wir die Containerplätze sauber, und jeden Tag stellen sie wieder irgendetwas dorthin", sagt er. Verstehen kann er es nicht - schließlich genüge ein Anruf beim Entsorger.

Für die Anwohner ist das ein Ärgernis. "Wir schauen täglich auf eine Müllkipppe", sagt Doris Eckstein. Die 67-Jährige lebt seit 1981 an der Elise-Crola-Straße und ist Mieterin bei der Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode (GWW). Vorzugsweise in der Nacht und an schwer einsehbaren Ecken würden Gegenstände abgestellt. Obwohl die GWW ebenfalls ständig aufräume, würde der Müll häufig zerstreut, etwa durch spielende Kinder. Sie vermutet, dass nicht nur Anwohner, sondern auch Auswärtige ihren Müll im Stadtfeld abladen.

Das könne man allerdings nicht nachvollziehen, sagt Stefan Korsch von der GWW - denn meist blieben die Verursacher unerkannt. Kameras zu installieren, sei "rechtlich problematisch". Es gebe aber Fälle, in denen Mieter ausziehen und ihr Mobiliar, das entsorgt werden soll, ohne Anmeldung auf der Straße abladen. "Das kommt häufiger vor", so Korsch. Wenn Hinweise vorliegen, wer den Müll hinterlassen hat, versucht die GWW, den Verursacher zu finden.

So handhabt es auch die WWG, erklärt Vorstand Christian Linde. Er glaubt, dass hauptsächlich die Anwohner ihren Sperrmüll abstellen - und dabei nicht daran denken, dass sie Kosten verursachen, die alle Mieter tragen müssen. "Manche lehnen sich zurück."

Uwe-Friedrich Albrecht stimmt dem zu. "Ich führe das auf Bequemlichkeit zurück", sagt der Quartiersmanager im Stadtfeld. Auch rund um den Garagenkomplex werden immer wieder Kühlschränke oder gar ganze Kücheneinrichtungen abgeladen. Das einzige, was helfe: "Wir halten den Rasen kurz", so Albrecht. Auch die WWG versuche, Hecken regelmäßig zu schneiden, damit potenzielle Abladeplätze gut einsehbar seien. Letztlich sind die Vermieter aber gezwungen, den Dreck wegzuräumen. "Es kann ja nicht alles stehen bleiben. Wir müssen dafür sorgen, dass es bei uns schön aussieht", so Stefan Korsch.