Sommerzeit ist Wanderzeit. Reddebers Ortschronist Horst Schädel lädt die Volksstimme-Leser ein zu einem Spaziergang durch die Mühlengeschichte entlang der Holtemme.

Reddeber l Südlich von Reddeber befindet sich ein landschaftlich reizvoller Wanderweg. Horst Schädel, Chronist in dem Wernigeröder Ortsteil, empfiehlt diesen Weg entlang der Holtemme den Volksstimme-Lesern. Er weilte erst dieser Tage mit dem von ihm geleiteten Seniorenverein dort. Je nach gewählter Variante sollten Naturfreunde ein bis zwei Stunden Zeit dafür einplanen.

Ausgangspunkt für die Tour könnte, so Reddebers Ortschronist, die Bushaltestelle am Gewerbegebiet von Reddeber sein.

Über die Straße Brockenblick erreicht der Wanderer, vorbei an einigen neu entstandenen Firmen und Einfamilienhäusern, bald eine kleine Brücke, etwas versteckt hinter Gebüsch. Kurz danach ist die Ausflugsgaststätte "Zur Roten Mühle" in Sicht.

Die Mühle dort war bis 1978 als solche in Betrieb, berichtet der jetzige Eigentümer Horst Abel gegenüber der Volksstimme. Er übernahm das Grundstück von seinem Vater Willy Abel im Jahr 1970, er hatte es wiederum im Jahre 1933 von der Müllerfamilie Hoffmeister übernommen.

Einst habe die Mühle viele Bäckereien zwischen Wernigerode und Halberstadt beliefert, auch Lohnaufträge für Landwirte ausgeführt, so Horst Abel. Eine Unterbrechung gab es nur zwischen 1939 und 1945, als sein Vater Soldat war.

"Als die Mühle im Jahr 1978 dem wirtschaftlichen Druck moderner Großmühlen nicht mehr gewachsen war und Kunden ihr Mehl von dort bezogen, ging die lange Tradition dieses Mühlenbetriebes zu Ende", sagt der Müller. Zunächst führte er einen Altstoffhandel.

Erst nach der Wende habe er für sich die gastronomische Nutzung der historischen Mühle entschieden und in die Ausflugsgaststätte investiert. Inzwischen ist die Mühle, auch Dank seiner Lebensgefährtin Ingrid, ein Treffpunkt für Wanderer, Radtouristen und Familien.

Geht man nach der Rast über den Mühlensteg zurück und nach rechts weiter, erreicht der Ausflügler eine kleine Wohnsiedlung mit dem etwas merkwürdigen Straßennamen Hundemühle.

"Das Mühlengebäude dort wich bereits zu DDR-Zeiten einem Wohnhaus, das jetzt die Hausnummer 1 der Straße Hundemühle trägt", sagt Wilhelm Mummerz, der im Haus Hundemühle 18 wohnt.

Wilhelm Mummerz erinnert sich, dass die Mühle bis in die 1960er Jahre in Betrieb war. Horst Abel vermutet, dass das Mühlengebäude dann gebrannt sei. Der Besitzer des Grundstücks habe die Ruine dann auf eigene Kosten abreißen lassen müssen. So verlangte es wohl eine Auflage in der Baugenehmigung.

Rentner Wilhelm Mummerz berichtet, dass die alte Mühle längere Zeit nach dem Namen einer Eigentümerin Wesche-Mühle geheißen habe. Der Name Hundemühle, den die Straße ganz offiziell trägt, rührt wohl daher, dass von der einstigen Besitzerin in der Mühle Hunde gezüchtet wurden. Von den 19 Familien, die dort ein Grundstück haben, wohnen neun dauerhaft dort, die anderen nutzen ihre Grundstücke nur an den Wochenenden. Kurioserweise wird die Mühle bis heute noch im Landesverzeichnis der Wassermühlen aufgeführt. Von der Wohnsiedlung Hundemühle aus bietet es sich an, das Gebiet um die Holtemme zu verlassen und Richtung Barrenbach zu gehen, rechterhand grüßt das Natursteinwerk, das zu Minsleben gehört. Über Tiefental gelangt der Wanderer zur Minslebener Straße und von da aus zurück nach Reddeber.

 

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