Die mit viel Akribie vorbereitete Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler und die Bezüge zur Stadt Blankenburg hallt nach. Ulrich-Karl Engel, Mitglied des Stadtrates, schlägt vor, Straßen nach den mutigen Widerständlern zu benennen.

Blankenburg l Am Vorabend des 70. Jahrestages des Attentats auf Adolf Hitler hat Hasso Effler, Mitarbeiter des Städtischen Kurbetriebs Blankenburg, in einem Vortrag im Kleinen Schloss die mit Blankenburg verbundenen Lebenswege von Akteuren des 20. Juli 1944 nachgezeichnet. Dabei sparte er auch nicht die Schwierigkeiten aus, die man im Nachkriegsdeutschland in Ost und in West mit dem Attentat und mit den Verschwörern hatte. Nach Auffassung von Ulrich-Karl Engel, Mitglied des Stadtrates (Bündnis 90/Die Grünen), sollte eine Bemerkung besondere Beachtung finden, dass es aktuell in Blankenburg keinerlei Hinweis auf die Blankenburger Mitverschwörer gibt. "Keine Straße ist nach ihnen benannt, und an keinem ihrer ehemaligen Wohnhäuser ist eine Gedenktafel zu finden", erklärte Engel. Es bleibe ein Verdienst des Abends, der Stadt mit der Veranstaltung zunächst einen weiteren Teil ihrer Geschichte zurückgegeben zu haben.

Allerdings reiche das nicht aus. Während daran gearbeitet werde, touristische Angebote wie Führungen über den Waldfriedhof und durch das Villenviertel zu entwickeln, sollte auch die deutsche Geschichte anhand von Lebenswegen von Blankenburgern attraktiv aber auch in ihrer Widersprüchlichkeit dargestellt werden. "Was die Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung dafür anbetrifft, gibt nicht nur der Abend im Kleinen Schloss Grund zum Optimismus", so Engel, der daran erinnerte, dass es das Stadtarchiv unter seiner damaligen Leiterin Ingrid Glogowski bereits vermocht habe, über Sachsen-Anhalt hinaus Bedeutung zu erlangen. "Wenn man die Versuche der gleichen Stadtverwaltung sieht, in den Ortsteilen historische Straßennamen zu ändern, stellt sich nicht nur die Frage, ob das überhaupt nötig ist. Wenn die Kernstadt bereit wäre, jene mutigen Männer des Widerstandes zu ehren, könnte der eine oder andere historische Straßenname in den Ortsteilen unangetastet bleiben", erklärt Engel.

Vor Jahren hatten bereits Günter Pape mit seinen Arbeiten zu Konzentrationslagern in und um Blankenburg sowie Pfarrer Axel Lundbeck mit einer Vortragsreihe zum Thema "Bekennende Kirche" und der Rolle des Blankenburger Pfarrers Heinrich Lachmund, viel getan, solche bis dahin weiße Flecken in der Geschichtsschreibung der Stadt mit Fakten zu füllen. Unvergessen seien, so Engel, auch die Beiträge der Historiker Hans Bauerfeind und Wolfgang Reimann.

Dass es dabei nicht reichen könne, Personen der Blankenburger Geschichte einfach aus dem Vergessen zu holen, hätten der Bürgermeister und der Standortkommandeur der Bundeswehr erfahren müssen, als ausgehend von einer schlichten Pflege von Grabstätten der Offiziere der kaiserlichen Marine Kapitän zur See von Müller und Major Christ, eine Traditionslinie zwischen der Stadt und der Bundeswehr entwickelt werden sollte. "Gut, dass die Bundeswehrführung auf Nachfrage schnell klargestellt hat, dass es sich zwar um Personen deutscher Militärgeschichte handelt, sie aber nicht zu den ,Traditionsgebern der Bundeswehr zählen`", zitiert Engel aus einem Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums. "Damit hat nostalgische Verklärung ein Ende gefunden", so der Grünen-Politiker.

Gleichwohl würden beide Gräber aber eine Chance bieten, erklärte er. "An den Lebenswegen der beiden Offiziere lässt sich der Weg nachvollziehen, der vor 100 Jahren zum Ersten Weltkrieg geführt und das Schicksal des Kontinents so nachhaltig beeinflusst hat. Damit bleibt auch die Pflege der Gräber wichtig."

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