Applaus und Jubelrufe im Innenhof des Wernigeröder Schlosses: "Die verkaufte Braut" hat am Freitag vor ausverkauftem Haus Premiere gefeiert. Philharmonisches Kammerorchester, Opernsänger und die Wernigeröder Singakademie bereiteten den Gästen einen besonderen Hörgenuss.

Wernigerode l Die Oper "Die verkaufte Braut" von Bedrich Smetana hat am Freitag im Schloss Wernigerode Premiere gefeiert. Das Publikum im restlos ausverkauften Innenhof erlebte ein engagiertes Sängerensemble und ein Philharmonisches Kammerorchester in Bestform. Spontaner Applaus und Jubelrufe auch zwischen den Szenen - die mitreißende Musik Smetanas, die eine tragisch-komische Geschichte in einem böhmischen Dorf erzählt, traf den Nerv der Festspielbesucher. Regisseurin Karin Seinsche hatte die Handlung in die 1950er Jahre versetzt.

Der Innenhof war nahezu unverändert geblieben, die Retro-Kostüme der Darsteller kamen schlicht daher. Erstmals war für einen Regenschauer vorgesorgt worden. So spielte das Kammerorchester unter einem Baldachin, der die Instrumente vor eventuellem Regen schützen sollte.

"Mit über 270 Gästen war die Premiere mehr als ausverkauft", resümierte Orchestermanagerin Lysann Weber. Besucher sind ihrer Statistik zufolge aus nahezu ganz Deutschland angereist, einzig Hamburg und das Saarland waren nicht vertreten. Zudem saßen Besucher aus der Schweiz und Argentinien im Publikum. Etwa 100 Gäste - und damit der Großteil - waren Wernigeröder.

Die Schlossfestspiele leben seit ihrem Beginn vom Engagement der Menschen auf der Bühne und hinter den Kulissen. Das ist auch bei der 19.Opernaufführung in der Veranstaltungsreihe nicht anders gewesen. Bestes Beispiel dafür ist die Wernigeröderin Ute Bierotte. Sie spielte zwar nur eine kleine Nebenrolle als alte Frau, die das Geschehen auf der Bühne durch ihre Mimik und Gestik kommentiert. Hinter den Kulissen sorgt sie aber für gute Laune und für frischen Kaffee.

Zur Premiere brachte sie ein Blech voll Krapfen für das Ensemble mit. Und ganz nebenbei rettete sie das Brautkleid der "verkauften Braut". Wie kam`s? "Das Kleid war bei der Generalprobe am Mittwoch aufgerissen", berichtet sie. "Ich habe dann einen Tag vor der Premiere ein neues besorgt. Großes Dankeschön dafür an Marlies Golze in Reddeber, die das Kleid aus ihrem Näh-Atelier zur Verfügung stellt."

Acht Einsätze hat Ute Bierotte in der Oper - viel Zeit, sich auf die Rolle vorzubereiten, blieb ihr jedoch nicht. Der Part war erst in der letzten heißen Probenphase vom Orchestermanagement über die Presse ausgeschrieben worden. Drei Proben vor der Premiere stieß die Wernigeröderin, die auf dem Reiterhof ihrer Tochter in Darlingerode mitarbeitet, zum Ensemble hinzu.

Gänzlich unbekanntes Terrain sind die Schlossfestspiele nicht für Ute Bierotte. Seit der Opernaufführung von Albert Lortzings "Zar und Zimmermann" im Jahr 2004 wirkte sie in der Wernigeröder Singakademie mit, die als Projektchor von Friedrich Krell 1988 wiedergegründet wurde. Seit 30 Jahren ist Ute Bierotte zudem Teil des Kabarettensembles "Harzgeister Wernigerode". Besonders begeistert ist sie von der Arbeit der Maskenbildnerin. Barbara Sadlick verwandelt die 53-Jährige zu den Vorstellungen in eine Greisin.

Die Singakademie sorgte derweil mit Unterstützung professioneller Sänger für Glanzmomente in der Oper. In mehreren turbulenten Einsätzen bereicherten die Frauen und Männer das Bühnengeschehen. Auch schauspielerisch zeigten sie ihr Können - nicht zuletzt in einer großen Prügelszene der Dorfbewohner im zweiten Akt.

Auch die zweite Vorstellung am Sonnabend sei restlos ausverkauft gewesen, sagt Lysann Weber. "Für die Nachmittagsvorstellung der Oper im Fürstlichen Marstall Wernigerode gibt es noch Karten", informiert sie.

Die Aufführung beginnt um 15 Uhr und richtet sich speziell an Familien mit Kindern, Senioren und Opernfreunde, die den Weg zum Schloss oder die späteren Vorstellungszeiten meiden wollen.

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