Reddeber l Wer den Ortseingang von Reddeber passiert, wird von wilden Ranken und wucherndem Grün empfangen. "Es sieht so aus, als ob der Ort im Dornröschenschlaf liegt", sagt Bernd Rettmer - allerdings nicht von blühenden Rosen, sondern von stachligen Disteln umgeben. Der Reddeberaner, der für die CDU im Stadtrat und im Ortschaftsrat sitzt, ärgert sich über den Wildwuchs auf dem Gelände rund um den Feuerlöschteich. Er sei nicht der einzige, der sich an dem Grün stört. "Ich werde täglich von Bürgern darauf angesprochen."

Zwar sind die Gräben im Ort inzwischen gemäht und der Rückstand bei den städtischen Grünanlagen ist zum großen Teil aufgeholt worden - "auch wenn wir derzeit durch Witterung und Urlaubszeit wieder zurückgeworfen werden", wie Winnie Zagrodnik von der Wernigeröder Stadtverwaltung sagt. Doch für das Areal am Feuerlöschteich fühlt sich offenbar niemand verantwortlich. "Es war schon immer unklar, wer dafür zuständig ist", so Rettmer. Eine Volksstimme-Nachfrage bei der Stadtverwaltung ergibt, dass das Gelände aus sechs Parzellen besteht, von denen die kleinste der Stadt Wernigerode gehört. Die übrigen sind in Privatbesitz.

Nicht nur der Eindruck, den das wilde Grün bei Gästen hinterlasse, sei verheerend, sondern auch dessen Auswirkungen auf die Umgebung. Derzeit samten die Pflanzen aus, der Wind verbreite sie in der Umgebung. Davor fürchteten sich Landwirte, Kleingärtner und Anwohner. "Die Distel bekommt man, wenn sie einmal da ist, nur mit der chemischen Keule wieder weg", so Rettmer.

Auch dem ehemaligen Ortsbürgermeister Horst Schädel wird der Unmut der Anwohner vielfach zugetragen - und er teilt ihn. "Für viele ist das mittlerweile eine recht emotionsgeladene Angelegenheit." Denn die Bürger, die für die Aufrechterhaltung von Ordnung und Sauberkeit bezahlen müssten, sähen keine Gegenleistung.

Das sei in Zeiten, als Reddeber noch eine selbstständige Gemeinde war, nicht der Fall gewesen. Nun sei die Verwaltung am Zug. "Den Bürgern ist es egal, wer dafür zuständig ist und sie können sich auch nicht mit hundert Subunternehmen auseinandersetzen. Die Stadt steht in der Pflicht, das zu regeln", sagt Schädel.