23 Jahre lang ist er der Schulleiter des Gymnasiums "Stadtfeld" in Wernigerode gewesen: Günter Mebert hat sich im Alter von 62 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Den Schulschlüssel überreichte er seinem Nachfolger René Grützmacher.

Wernigerode l Es ist der Sommer 1991: Nach der politischen Wende soll das Schulsystem in der ehemaligen DDR neu gestaltet werden. Polytechnische und erweiterte Oberschulen - kurz POS und EOS - sollen in dieser heißen Phase neu geordnet werden.

In Wernigerode steht schnell fest, dass neben der EOS "Gerhart Hauptmann" am Standort der einstigen Fürst-Otto-Schule wegen des großen Andrangs ein weiteres allgemeinbildendes Gymnasium entstehen soll.

Unter dem Projektnamen "Gymnasium Stadtfeld" plant der zukünftige Direktor Günter Mebert die neue Schule quasi an den Wochenenden und während der Sommerferien 1991. In dem Artikel "Ein Direktor organisiert seine Schule", Wernigeröder Zeitung vom 15. Juni 1991, schreibt die Autorin Ilona Meyer unter einem Foto Meberts: "Der künftige Schulleiter des Stadtfeld-Gymnasiums blickt optimistisch und gelassen in die Zukunft. Er zeigt sich wenig beeindruckt von der vielen Arbeit, die vor ihm liegt." Ganz so entspannt war Mebert jedoch nicht.

Mit Mitstreitern wie den Lehrern Martina Elend und Peter Jasper sitzt der Pädagoge von frühmorgens bis spätabends in der einstigen POS "Ernst Thälmann" über Raum- und Stundenplänen. "Dann liefen zwei Sachen parallel: Unter der Woche unterrichtete ich. Und an den Wochenenden hatte ich ein Zimmer im Gymnasium `Stadtfeld`, wo ich die neue Schule plante", berichtet er im Gespräch mit der Volksstimme.

Am 2. September 1991 strömen schließlich Hunderte Schüler der fünften bis elften Klassen in die Räume des Gebäude-Typs "Erfurt". Ob diese neue Schule überhaupt zehn Jahre existieren würde, konnte damals niemand sagen.

"Ich bin leise gekommen und leise gegangen. Jeder ist ersetzbar."

Bis zum heutigen Tag haben knapp 1500 Abiturienten die Hochschulreife am Stadtfeld-Gymnasium abgelegt. Die Schule ist weit über den Landkreis hinaus bekannt für die erfolgreichen Teilnahmen an Mathematik- und Fremdsprachenolympiaden auf Bundesebene, für die mittlerweile schulübergreifende Schreibwerkstatt, die Band "Die Schlüsselnoten" und die Chöre.

Seit 2011 hat das Stadtfeld-Gymnasium den Status "Ganztagsschule". Seit 2012 trägt es das Gütesiegel "begabungsfördernde Schule". Zwischen 2010 und 2012 wurde es grundlegend saniert, sodass es selbst für Ehemalige kaum wiederzuerkennen ist. 30000Euro sammelten Kollegen und Schüler für einen neuen Flügel, der seit dem vergangenen Jahr die Aula ziert.

Am 17. Juli 2014 wurde Günter Mebert nach 23 Jahren von Schülern, Ehemaligen und Kollegen aus dem Dienst als Direktor des Stadtfeld-Gymnasiums verabschiedet. Das Kollegium hatte keine Mühen gescheut, um dem Schulleiter mit Reden und musikalischen Einlagen samt eines Lehrerchores einen unvergesslichen Abschied zu bereiten, bei dem reichlich Tränen flossen.

Sein Nachfolger René Grützmacher, seines Zeichens Geschichts-, Sport- und Informatiklehrer, war seit mehreren Jahren stellvertretender Schulleiter und hatte sich auf die Stelle als Direktor beworben. Ihm überreichte Günter Mebert in der Aula den symbolischen Schlüssel für das Gymnasium.

"Ich bin leise gekommen und leise gegangen", sagt der Chemie- und Biologielehrer im Volksstimme-Gespräch. "Jeder ist ersetzbar. Und das ist gut so." Für Günter Mebert sei es nie "nur um Schule" gegangen. "Es geht um das Entwickeln von Fähigkeiten und Fertigkeiten, um die Begabtenförderung." So erinnert er daran, dass es die von der ehemaligen Deutschlehrerin Christine Schulz geleitete Schreibwerkstatt des Stadtfeld-Gymnasiums war, die über die Renaturierung der Holtemme und der Steinernen Renne eine ganze Seite in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gestalten durfte. "Das gab den Anstoß für die erste Fischtreppe in Wernigerode."

So wie Christine Schulz würden alle Lehrer am Stadtfeld-Gymnasium ihre Fähigkeiten einbringen, um die heranwachsenden jungen Frauen und Männer zu fördern. Und was ist seine persönliche Fähigkeit? "Ich denke sehr strategisch und habe ständig am Schulprogramm gearbeitet." Konzepte wie zum Unterrichtsfach "Lernen lernen" seien in seiner Einrichtung entwickelt worden. "Mittlerweile wird das Fach nach unserer Vorlage landesweit genutzt."

Seinem Nachfolger wünscht Günter Mebert "viele kreative Ideen. Dass er immer rechtzeitig erkennt, wann es Umschwünge gibt und dann sachlich einschätzt, ob diese Umschwünge auch sinnvoll sind." Dafür wiederum wünsche er René Grützmacher vor allem eines: Mut.

Ob Abitur nach zwölf oder 13 Schuljahren, die Einführung der Förderstufe in den Klassen 5 und 6 und ihre baldige Abschaffung - Mebert hat in seinen 23 Jahren als Direktor einige Schulreformen umsetzen müssen. "Es gab nur wenige aufeinanderfolgende Jahre ohne tiefgreifende Veränderungen", sagt er. "Da brauchte man gute Partner und ein Kollegium, das manchen ungewöhnlichen Weg mitbeschritten hat."