Nicht eine halbe Million Euro, wie erst gedacht, auch nicht 550 000 Euro, wie es noch am Montag hieß, sondern auf 650 000 Euro belaufen sich die Sanierungskosten für Wasserschäden nach dem Starkregen diesen Sommer. Der Stadtrat drängt auf schnelle Reparaturen.

Elbingerode l Vorsichtig hatte Bürgermeister Frank Damsch (SPD) vor Wochen schon die Schäden durch Starkregen in der Stadt auf eine halbe Million Euro geschätzt und gesagt, die Prüfung laufe noch.

Nun ist die Bestandsaufnahme fortgeschritten - und liegt bei einer Schadenshöhe von rund 650 000 Euro. Das stellte der Stadtrat in einer außerordentlichen Tagung am Dienstag in Elbingerode fest.

So viel Geld ist nach dem aktuellen Stand nötig, um die vielen zerstörten Kanäle, unterspülten Straßen, abgerutschten Hänge, stark beschädigten Brücken und Stützmauern wieder in Ordnung zu bringen.

Nahezu jeder der zehn Ortsteile in der Flächenstadt Oberharz am Brocken sei betroffen, sagte Bauamtsleiter Dieter Bock. Lediglich Trautenstein und Elend seien weitestgehend verschont geblieben. Besonders stark hätten die Wassermassen in Hasselfelde, Stiege, Elbingerode und Rübeland gewütet. In Hasselfelde waren Feuerwehren und Bürger ebenso im Einsatz wie an vielen anderen Stellen (Volksstimme berichtete). Vielfach konnte aber auch nur zugeschaut werden, wie das Wasser zu Tale floss.

Viele der Schäden treten erst nach und nach zutage, weil sie unter der Erde in Kanälen und Rohrleitungen festgestellt werden müssen. Die Bestandsaufnahme werde weiter fortgesetzt. Das Ende der Schadensermittlung sei letztlich immer noch nicht abzusehen.

Mit den 650 000 Euro könne aber nach dem derzeitigen Erkenntnisstand das Gros der Probleme gelöst werden, hieß es. Wichtig sei, so betonte Bock, nun schnell zu handeln. "Bis zum Oberharzer Winter bleibt nicht viel Zeit, um drohende Folgeschäden abzuwenden." Dann könnte es zu weiteren, insgesamt erheblich schlimmeren Schäden kommen.

Das sahen die Stadtratsmitglieder ebenso. Lutz Wille und Hans-Herbert Schulteß (CDU) verwiesen zudem auf die bereits gesperrte Brücke über die Rappbode in Benneckenstein. "Ein unhaltbarer Zustand!", so Wille gegenüber Volksstimme.

Uwe Anderfuhr (SPD) hatte als erster im Rat gesagt, dass die ursprünglich anberaumte halbe Million Euro für die große Flächenstadt wohl doch nicht reichen würde. Dazu waren auch in Rübeland selbst die Schäden an Hängen und Gebirgseinläufen zu groß.

Stadtchef Damsch, der für die Tagung seinen Urlaub unterbrochen hatte, sagte alle nötigen Schritte zu, um vor allem existenzielle Schäden wie gefährdete Zuwegungen zu Wohnhäusern zu beheben.

Einstimmig beschloss der Rat, den Bürgermeister über bisherige Regeln hinweg mit Handlungsfreiheit auszustatten, um eine schnelle Behebung der Schäden im Interesse der betroffenen Bürger in den Orten zu ermöglichen.

Danach kann Damsch zum Beispiel im Eilverfahren Aufträge auslösen, ohne dass erst dieses oder jenes Gremium noch gefragt werden muss. Einzuhalten aber sei das Prozedere von Ausschreibung und Vergabe, und das koste auch Zeit, wie Bauamtsleiter Dieter Bock zu bedenken gab.

Finanziert werden soll die Behebung all der Schäden über das Geld, das der Stadt Oberharz aus den beantragten - bisher allerdings ausstehenden - Zuweisungen zusteht. Die Ratsmitglieder Volker Hedderich (Linke) und Ulrich Kallenbach (Bürgerfraktion) kritisierten, dass für solche Katastrophenfälle bisher kein extra Geld vom Land ausgereicht werde, sondern dass die unabdingbare Hilfe mit dem regulären Finanzproblem der Stadt verquickt werde. An der Dringlichkeit, in allen betroffenen Orten schnell zu Handeln, ändere das nichts, hieß es.

Nun soll versucht werden, die Finanzierung im Zuge der Haushaltskonsolidierung mit abzusichern, damit Zufahrten und Zuwege sowie Wasserabläufe wieder nutzbar werden. Bevor es womöglich wieder stark regnet.

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