Leben kehrt ab September wieder in die Blankenburger "Zimmermanns-Mühle" zurück. Jahrelang dem Verfall ausgesetzt, ist sie nun von einem Bauunternehmer saniert worden und bietet Senioren ein neues Zuhause.

Blankenburg l Es bedarf einer "Portion positiver Verrücktheit und der Liebe zu Denkmälern", um ein solches Projekt zu verwirklichen, sagt Horst Eue und lacht. Der Bauunternehmner hat sich einer Ruine angenommen: Der "Zimmermanns Mühle" in Blankenburg. Dort, wo noch bis in die 1920er Jahre hinein Mehl hergestellt wurde, machten sich bis 2013 Fäulnis und Insekten breit. Einige Teile des Hauses waren einsturzgefährdet.

"Dennoch machte die Bausubstanz noch einen ganz guten Eindruck", berichtet Eue, der bereits 1999 gemeinsam mit seiner Ehefrau Brigitte das Areal mit der verfallenen, aber damals zum Teil noch bewohnten, Mühle gekauft hatte. Allerdings täuschte der erste Blick: "Zum Beispiel die Dachsparren waren eigentlich nur noch Streichhölzer, der Hausbock hat ganze Arbeit geleistet", berichtet der Blankenburger. Die Substanz des Hauses in der Mülenstraße sei so geschwächt gewesen, dass eine Sanierung nicht ausgereicht hätte. Es waren umfassende Rückbauten nötig.

Beraten durch den "Mühlenvater" Lothar Tomaszewski vom Blankenburger Mühlenverein wurde die Idee geboren, das Bauwerk nach historischem Vorbild zu rekonstruieren und zeitgemäß zu nutzen - als Wohnpark für Senioren. "So etwas ist einmalig in Blankenburg", betont Horst Eue. "Hier kann man leben und wohnen wie in einem Vier-Sterne-Hotel, aber, wenn gewünscht, mit Betreuung und Versorgung durch einen Sozial- und Krankenpflege-Service", erklärte er.

Letzteres sichert das Team von Ralph Gehrke ab. "Wir arbeiten seit zehn Jahren mit ihm zusammen. Die Erfahrungen, die wir in dieser Zeit gesammelt haben, sind in dieses Projekt geflossen", informiert der Bauherr.

Entstanden sind elf Wohnungen, konzipiert als Ein-Raum-Appartements mit 30 bis 60 Quadratmetern Größe. Sie enthalten einen Wohn- und Schlafraum, eine Kochnische, eine Loggia oder eine Terrasse sowie ein Bad und WC. In einem Gemeinschaftsraum wird den Bewohnern Vollverpflegung durch den Sozial- und Krankenpflege-Service angeboten. Mittlerweile sind die Bauarbeiten fast abgeschlossen.

Schon am 1. September sollen der Wohnpark eröffnet und die Appartements bezugsfertig sein. Sieben von ihnen sind bereits vergeben.

Noch bis zum Jahresende dauert hingegen der Dachgeschoss-Ausbau des Mühlenwohnhauses. Dieses soll in Größe und Form den Charakter eines Eigenheimes erhalten. Die Wohnung ist 135 Quadratmeter groß und verfügt über drei Balkone.

Der Wohnpark zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Bei dem Grundstück handelt es sich um ein Denkmal. Erbaut wurde die Mühle im Jahr 1758. Davon zeugt die Inschrift auf einem sogenannten Endstein. Seit den 1920er Jahre ist die Mühle außer Betrieb und diente als Wohnhaus.

Den Namen, unter dem sie noch heute bekannt ist, verdankt sie Friedrich Zimmermann. Bis 1937 betrieb er gemeinsam mit seiner Familie auf dem fast 12 000 Quadratmeter umfassenden Gelände eine Gärtnerei. Später entstanden auf dem Areal Kleingarten-Parzellen.

Im Juni 2013 begann die Familie Eue mit dem Wiederaufbau des gesamten Einzeldenkmals. In diesem Zuge wurde der Mühlenstuhl im Erdgeschoss des Wohnhauses originalgetreu nachempfunden. "Das lag mir sehr am Herzen", betont Eue und berichtet stolz: "Heute greift wieder ein Zahnrad in das andere." Das Mahlwerk könne jederzeit mit Wasser aus dem Mühlengraben zum Laufen gebracht werden. Geplant sei dies jedoch nicht.

Welche Summe in die Sanierung geflossen ist, verrät Horst Eue nicht. Nur soviel: "Für die Finanzierung braucht man starke Partner." Unterstützung habe er von der Investitionsbank des Landes sowie der Harzsparkasse erhalten.

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