Die Landesreform an der Polizeistruktur hat in Blankenburg Spuren hinterlassen, noch bevor sie in der Stadt umgesetzt wurde. Beamte wie Politiker sind verunsichert, wie es mit dem Revierkommissariat weitergehen soll.

Blankenburg l Polizisten, die in den Orten mehr Präsenz zeigen - dagegen hat Gerhard Scho-chardt nichts einzuwenden. "Es müssen mehr Beamte auf die Straße", betont der erfahrene Polizist. "Wenn die Chefposten wegfallen, ist es zu verkraften. Polizeiarbeit passiert nicht am Schreibtisch sondern auf der Straße." Schochardt hat vorübergehend die Leitung des Revierkommissariats in Blankenburg inne. Vorübergehend deshalb, weil er sich im Dezember in den Ruhestand verabschiedet und, weil die Zukunft der Polizei in der Blütenstadt ungewiss ist.

Ursache dafür ist die von der Landesregierung beschlossene Polizeireform. Daraus geht hervor, dass landesweit rund 70 Polizeistationen schließen. Auch die Zahl der Polizeireviere und -kommissariate wird reduziert. "Jede neue Landesregierung stößt eine neue Reform an. Bei den Kollegen wächst dadurch die Verunsicherung", berichtet Gerhard Schochardt, der Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft ist. Unter den Polizisten gäbe es viele, die sich von der Regierung und ihrer Führung allein gelassen und schlecht informiert fühlen.

Derzeit wüssten so noch nicht alle Blankenburger Beamte, wie und wo sie in den kommenden Monaten arbeiten. "Nur einige haben Bescheid bekommen, dass sie als Regionalbereichsbeamte eingesetzt werden", informiert der Gewerkschafter weiter.

300 der sogenannte Regionalbereichsbeamte sollen künftig landesweit im Einsatz sein. Ihr Tätigkeitsfeld ist mit dem der Abschnittsbevollmächtigten zu DDR-Zeiten vergleichbar.

Zwei werden künftig als Ansprechpartner in Blankenburg vor Ort sein. Nur wo genau, ist ungeklärt. "Wir wissen nicht, ob die Regionalbereichsbeamten Räume im Rathaus beziehen oder im bisherigen Revierkommissariat", sagt Hanns-Michael Noll (CDU). Der Bürgermeister sei frustriert, dass mehr Gerüchte über die Zukunft der Polizei kursieren, als Tatsachen feststehen. "Wir möchten zumindest wissen, wie und wann etwas geschieht", betont Noll. Der Landtagsabgeordnete Ronald Brachmann unterstützt diese Forderung: "Mit den Entscheidungen müssen wir leben, die können wir nicht mehr ändern. Aber nun ist es wichtig, den Polizeibeamten die Verunsicherung zu nehmen."

Ein Punkt, der noch mit Fragezeichen versehen ist, ist die "Kornkreis-Polizei". Das sind Beamte, die rund um die Uhr Streife fahren, jeweils in einem sich überlappenden Umkreis von 20 bis 25 Kilometern. So soll sichergestellt werden, dass innerhalb von 20 Minuten ein Funkstreifenwagen an jedem beliebigen Einsatzort im Land eintreffen kann. Blankenburg soll kein Ausgangspunkt dafür sein. Künftig sollen Beamte, die in Hasselfelde stationiert sind, das Stadtgebiet mitbetreuen, heißt es in Polizeikreisen.

"Für mich als Gewerkschafter ist das nicht die glücklichste Lage", sagt Gerhard Scho-chardt. "Aus Erfahrung kann man behaupten, dass die Kollegen zu fast 80 Prozent in Blankenburg benötigt werden." Das Einsatzgeschehen sei höher, je größer die Konzentration der Einwohner sei.

Amtlich sei diese Entscheidung bislang nicht, informiert Stadtchef Noll. Sicher sei dagegegen, dass die Autobahnpolizei, die bisher in Quedlinburg angesiedelt war, künftig ihr Domizil in Blankenburg hat.

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