Ferien ohne Eltern - welches Kind träumt nicht davon. Aber wenn das Heimweh kommt, sind die meisten dann doch froh, wenn Mutter und Vater schnell dar sind. Möglich ist dies im Blankenburger "Kindercamp", beim Urlaub in der eigenen Stadt.

Blankenburg l Eine Woche lang ist Blankenburg um einen Ortsteil reicher: Ein Dorf mit 32 Einwohnern. Sie sind Mädchen und Jungen aus dem Stadtgebiet. Einige ihrer letzten Ferientage verbringen die Acht- bis Zwölfjährigen in einer "elternfreien Zone" - dem Georgenhof.

Sie sind der Einladung der evangelischen Gemeinde gefolgt. Die Werbetrommel für ihr ökumenisches "Kinderdorf" mussten die Veranstalter nicht rühren. "Wir waren schon ausgebucht, bevor wir das Camp richtig angekündigt haben", berichtet Diakon Johannes Spiegel lachend. "Platzmäßig sind wir dieses Mal ziemlich an unsere Grenzen gestoßen."

Es ist die dritte Auflage des Zeltlagers. Das Angebot richtet sich an Kinder, die nicht in den Urlaub fahren können. "Oder diejenigen, die testen wollen, ob sie sich eine Reise ohne Eltern schon zutrauen", sagt Spiegel. Dafür sei die Lage mitten in der Stadt günstig - denn hin und wieder werden einige der jungen Camper vom Heimweh übermannt, wenn es zum Schlafen in die Zelte geht.

Tagsüber ist an so etwas nicht zu denken: Ein abwechslungsreiches Programm lenkt die Mädchen und Jungen ab. "Ich habe kein Heimweh", versichert der achtjährige Nico. "Mir macht alles Spaß."

Die Vormittage werden mit Spielen auf dem Hof verbracht. "In sechs Tagen um die Welt" ist das aktuelle Kinderdorf überschrieben. Unter diesem Motto erfahren die Kinder von den Kulturen, dem Leben und den Besonderheiten auf allen Kontinenten.

Ausflüge zur Bobbahn in Thale, Wanderungen nach Hüttenrode und Zeit im Kletterwald stehen nachmittags auf dem Programm. Die Woche Ferienspaß kostet die Eltern 50 Euro je Kind. "Vergleichsweise sicher ein günstiges Angebot, dass sich auch Familien leisten können, die ihren Kindern sonst keine Reisen bieten können", sagt Johannes Spiegel.

Er leitet das Feriendorf gemeinsam mit Sabine Beyer. "Ich finde es schön und wichtig, mit Kindern zu arbeiten, gerade in einer Gemeinde, die größtenteils von älteren Menschen geprägt ist", betont die Pfarrerin. Die Ferien seien der ideale Zeitpunkt, den Mädchen und Jungen Aktionen anzubieten. "In der Schulzeit stehen die Kinder häufig unter Stress - Unterricht, Hausaufgaben, Lernen, Sport, Verein - da bleibt ihnen kaum Zeit für etwas anderes", berichtet Sabine Beyer. In den Sommerferien seien alle entspannter.

Das gilt für Lisa Schünemann nur bedingt. Die 17-Jährige besucht die Fachoberschule in Böhnshausen. Statt sich auszuruhen, nutzt sie die Ferientage, das Kindercamp mitzubetreuen. "Manchmal ist es schon anstrengend", gesteht die Blankenburgerin. Sie betont: Aber es macht sehr viel Spaß." Es sei ein schönes Gefühl, zu wissen, dass die Kinder abends erschöpft und um einige Eindrücke reicher in ihren Schlafsack schlüpfen, stimmen sie und die drei weiteren ehrenamtlichen Helfer überein.

 

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