Harzklubmitglieder und weitere Naturfreunde aus der Region pflegen einen Rasen. Aber nicht irgendeinen, sondern Schwermetallrasen. Der gedeiht bei Tanne, ist extrem selten und geschützt.

Tanne l Sonst oft problematische oder gar giftige Schwermetalle und selten schöne Blumen - geht das denn zusammen? "Ja", sagt Naturfachmann Otfried Wüstemann aus Sorge und verweist dazu auf den Schwermetallrasen an der Warmen Bode bei Tanne.

Die Stelle ist als Bergbau-Standort aus dem Mittelalter bekannt. Die heute noch dort liegende Schlacke ist vor allem durch Zink und Kupfer belastet. Darauf wachsen keine normalen Pflanzen, dafür aber einige als extrem selten geltende, spezialisierte Pflanzen wie Kupferblümchen und Taubenkropf-Leinkraut.

"Deshalb wird Schwermetallrasen auch europaweit nach der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie geschützt", erläutert Wüstemann. An der Oberfläche anstehende schwermetallhaltige Gesteine seien einst als erstes vom Menschen zur Erzgewinnung genutzt und nahezu vollständig abgebaut worden. "Heute sind Schwermetallpflanzen daher auf Schlackereste angewiesen", so Wüstemann. Und das Land Sachsen-Anhalt habe zu gewährleisten, dass die vorhandenen Rasenflächen dieser besonderen Art erhalten werden.

Bei Tanne sorgen ehrenamtlich wie regelmäßig Mitglieder des Harzklubs und der Naturschutzvereine des Landkreises Harz schon seit sieben Jahren für den Schutz und das Wachstum des Habitats. Gerade wurde unter Leitung von Otfried Wüstemann und mit Oberharz-Bürgermeister Frank Damsch (SPD) der Rasen gemäht sowie Schlacke in kleinen Flächen freigelegt. "So erhalten die Pflanzen und Flechten mehr Lebensraum", erklärt Wüstemann.

Gefährdet werde der Schwermetallrasen durch eine zunehmende Vergrasung und die Bildung einer Humusschicht, so der Experte weiter, sowie durch starke Trittbelastung. Das jährliche Pflegeprogramm zeitige aber inzwischen Erfolge. Die Pflanzen und Flechten würden zunehmend besser gedeihen.

Ursprünglich stammen die Schlackereste an der Warmen Bode von einer Kupferhütte, die 1226 erstmals urkundlich erwähnt wurde, wie Wüstemann informiert. Neuere Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass bereits im 9. Jahrhundert mit der Buntmetallverhüttung begonnen wurde und bei Tanne sogar Erze aus dem für damalige Verhältnisse weit entfernten Rammelsberg bei Goslar verhüttet wurden.

So ist der Schwermetallrasen nicht nur ein einzigartiges Wiesenstück, sondern zugleich eine Art Zeuge der Geschichte.

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