Viele Straßen sind mit Hundekot verschmutzt. Das Thema bewegt derzeit die Gemüter vieler Wernigeröder. Im jüngsten Ordnungsausschuss haben sich die Stadtpolitiker mit dem Problem befasst. Eine Lösung aus der Misere ist nicht in Sicht.

Wernigerode l Hundehaufen, wohin man blickt. Im Stadtfelde, Unter den Zindeln, in den Parks, auf Blumenrabatten, an Straßenlaternen - sogar mitten auf Wernigerodes Touristenmeile, der Breiten Straße, sind die übelriechenden Tretminen zu finden. Die Gartenbesitzer Wolfgang Ide und Eberhard Wolf wandten sich an die Volksstimme, weil die Mirabellenwiese zum Hundeklo verkomme (wir berichten). Auch die Spielplätze sind betroffen, meldete sich Leserin Madeleine Lambert. "Der Spielplatz am Floßplatz in Hasserode wird häufig von Hundebesitzern genutzt", so die Wernigeröderin. "Das sieht man leider unter den Schuhen der Kinder, wenn sie durch den Park flitzen." Es sei schade, dass einige Hundebesitzer sich verantwortungslos verhalten und keine Tüte dabei haben. "Vielleicht hat es die Stadtverwaltung versäumt, gerade an solchen öffentlichen Plätzen Hundetüten bereitzustellen - zumal hier Kinder spielen."

Mario Schlieper (parteilos)brachte das Thema im jüngsten Ordnungsausschuss zur Sprache. "Ob großes oder kleines Geschäft - der Hundebesitzer hat die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners zu beseitigen", so der Stadtrat. Die meisten Besitzer würden das auch tun. Aber es gebe Uneinsichtige, die sich darüber hinwegsetzen. "Wernigerode ist eine Touristenstadt. Was macht das denn für einen Eindruck?" Vom Ordnungsamt forderte er eine Lösung. "Es muss endlich etwas passieren."

1578 Hunde leben zur Zeit in Wernigerode, dazu kommen die Hunde der zahlreichen Touristen. Tütenspender gibt es laut Ordnungsamtschef Gerald Fröhlich zwölf in der Kernstadt und in den Ortsteilen. 2500 Euro pro Jahr gebe die Stadtverwaltung für die regelmäßige Befüllung und Instandhaltung aus.

Man sollte mehr Tütenspender aufstellen, meldete sich André Weber (CDU) zu Wort, der das Thema schon im Januar angesprochen hatte. "Vor allem auf den Grünanlagen und Spielplätzen", so der Chef des Ordnungsausschusses. In der Schweiz gebe es an jedem Mülleimer Tütenspender. "Wie viele Spender würden wir denn brauchen für 1500 Hunde?", fragte Mario Schlieper. Es bringe nichts, den Leuten die Tüten hinterherzutragen. "Der Effekt ist gleich Null."

"Seit den 1990er Jahren befassen wir uns mit dem Thema und sind bisher nicht daraus schlau geworden", so Siegfried Siegel (SPD). In bayerischen Kommunen gebe es drastische Strafen für Hundebesitzer, die den Kot ihrer Tiere nicht wegräumen, und 20 Euro Belohnung für denjenigen, der den Sünder anzeigt. In Singapur werde man sogar verhaftet. "Aber was machen wir in Wernigerode?" Siegel sprach sich ebenso für mehr Tütenspender aus. Zudem sei es wichtig, die Bürger darüber aufzuklären, dass die Hundesteuer nicht für die Beseitigung von Hundekot und die Befüllung von Tütenspendern verwendet wird, sondern komplett in die Stadtkasse fließt.

Er wolle die Wernigeröder ermutigen, uneinsichtige Hundebesitzer anzusprechen und das nicht allein dem Ordnungsamt zu überlassen. "Das hat etwas mit Bürgerschaftlichkeit zu tun", so der SPD-Stadtrat. Eine Lösung aus der Misere gebe es nicht. "Aber wir können versuchen, die Situation zu verbessern."

Zwei Ordnungsamtsmitarbeiter, die täglich zwei Stunden morgens und abends Streife laufen, schlug Mario Schlieper vor. Die Mitarbeiter würden sich durch das Strafgeld der ertappten Sünder finanzieren.

"Es rechnet sich nicht, extra dafür Personal einzustellen", widersprach Ordnungsdezernent Volker Friedrich. "Wir sind auf die Mitarbeit der Bürger angewiesen." Meist wüssten die Anwohner, welche Hundebesitzer den Kot wegräumen und welche nicht. "Wir brauchen keine neue Satzung", so Friedrich. "Der rechtliche Rahmen ist da. Wiederholungstäter werden angezeigt, müssen mit einer Anhörung und einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen." Die Tüten seien seiner Meinung nach ein "Feigenblatt". "Die Verantwortungsbewussten haben ihre Tüten sowieso dabei. Und die Scharlatane lassen den Dreck liegen, auch wenn wir ihnen eine Tüte schenken."

Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, zu prüfen, wo genau die zwölf vorhandenen Tütenspender stehen. "Auf dieser Grundlage können wir im Ausschuss in Hinblick auf die Haushaltsdebatte beraten, ob, wo und wie viele weitere Tütenspender benötigt werden", sagte Ausschusschef André Weber auf Nachfrage.