Trotz seiner 81 Jahre wird der Wernigeröder Galerist Gerd Ilte nicht müde, Ausstellungen vorzubereiten und Aufsätze über Kunst und Künstler aus dem Harz zu verfassen. Eine Schau mit Werken des Blumen-Malers Erich Krüger hat Ilte mitgestaltet. Sie wird im September im Harzmuseum eröffnet.

Wernigerode l "Erich Krüger war nicht nur ein sehr erfolgreicher Maler, er war auch der erste Discjockey im Kreis Wernigerode - und das im Alter von 70 Jahren", sagt Gerd Ilte. Der Wernigeröder Galerist hat maßgeblich bei der Vorbereitung einer Sonderausstellung im Harzmuseum mitgewirkt, die beim Kulturklint am Freitag, 19. September, erstmals besichtigt werden kann.

An Erich Krüger, der 1978 in Benzingerode starb und vielen auch ein wenig als Lebemann erschien, kann sich Ilte noch gut erinnern. Im Schreibwarenladen "Möbius" habe er die Blumengemälde des gebürtigen Berliners im Schaufenster stehen sehen "Er hatte dichte weiße Haare und oft eine dicke Zigarre im Mund", erinnert sich der ehemalige Geschichtslehrer. Eine echte Erscheinung sei er gewesen.

"Krüger wurde 1897 in Berlin geboren und lebte dort, bis er 1944 ausgebombt wurde", berichtet der 81-Jährige. "Es verschlug ihn nach Benzingerode, wo er eine Zeit lang in einem Stall wohnte." Obwohl er nie eine künstlerische Ausbildung genossen hatte, wurde Krüger schnell erfolgreich. Schon nach kurzer Zeit konnte er sich ein Haus mit den Einnahmen aus seiner Kunst bauen. Heute gilt er als einer der erfolgreichsten Maler der Region. Mehr als 100 seiner Blumen- und Landschaftsbilder werden in zehn Ländern als Öldrucke vertrieben. "Zu seinem 60. Geburtstag hat ihm sogar ein US-Magazin mit einem Artikel gratuliert". sagt Ilte. Zur Wernigeröder Künstlerkolonie gehörte er jedoch nie.

Was zeichnet seine Bilder aus? "Sie sind einfach schön", sagt der Galerist. "Die Blumen nehmen Bezug auf das Leben - Krüger zeigt sie im Aufblühen, in voller Blüte und im Verblühen." In allen möglichen Haushalten findet man heute Werke des Blumenmalers. Kunstkenner Gerd Ilte pflegt gute Kontakte zu den Sammlern und hat diese genutzt, um die Sonderausstellung im Harzmuseum mit vielen verschiedenen Formaten Erich Krügers zu bereichern.

Ohne Gerd Iltes Recherchen wäre so mancher Wernigeröder Künstler in Vergessenheit geraten. Nicht nur Erich Krüger, dem wohl erfolgreichsten Maler der Region, hat Ilte in seinem 2012 erschienenen Buch "Kunst und Künstler in Wernigerode nach 1945" ein eigenes Kapitel gewidmet. Auch über Bert Heller, Kurt Herrmann Rosenberg und den Harzmaler Wilhelm Pramme hat Gerd Ilte intensiv geforscht.

Der Maler Christian Hallbauer wurde sogar von ihm wiederentdeckt. "Es gab noch Leute, die ihn kannten und mir Auskunft geben konnten. Aber noch immer sind Gemälde von ihm verschollen." Die Spuren führten bis nach Norwegen, wo Gemälde von Hallbauer auftauchten. 2013 wurde schließlich eine Straße in Wernigerode nach Christian Hallbauer benannt.

Seit 1990 ist Gerd Ilte pensioniert, wirklich zur Ruhe gesetzt hat er sich nie. Die Förderung der Harzer Kunst ist seine persönliche Lebensaufgabe, die ihn weiter antreibt. In seiner Galerie im "Efeuhaus", im Schloss, in der Galerie im Ersten Stock des Kunst- und Kulturvereins und im Harzmuseum präsentierte er 15 Ausstellungen. 2006 wurde er mit dem Kunstpreis der Stadt Wernigerode geehrt. Selbst als Maler versucht, hat er sich nur einmal kurz - im Alter von 14 Jahren. Damals begann er mit dem Briefmarken- und Münzsammeln. Seine Leidenschaft für Antiquitäten konnte er erstmals in einem Dorfmuseum in Reddeber ausleben.

Über die Jahre hat er sich Fähigkeiten angeeignet, die in verschiedenen Gremien gefragt sind. So bringt er sich in den Wernigeröder Geschichts- und Heimatverein ein und ist Förderer des Harzmuseums. Mit Christian Juranek engagiert sich Ilte für das Gelingen des "Wernigeröder Museumsfrühlings". Zu den beliebtesten Veranstaltungen gehört inzwischen das Bewerten privater Kunstgegenstände unter dem Titel "Teuer oder Täuschung".

Einen ersten Blick in die neue Sonderausstellung im Harzmuseum mit Gemälden von Erich Krüger können Besucher am Freitag, 19. September, werfen. Beim Wernigeröder Kulturklint kann die Schau schon vor der Eröffnung ab 16 Uhr besichtigt werden.

Gerd Ilte wird mit einem Vortrag am Mittwoch, 24.September, im Festsaal des Rathauses an Erich Krüger erinnern und die Ausstellung damit offiziell eröffnen.