Schierke/Wernigerode l Funktechnisch ist Schierke gerade von der Außenwelt abgeschnitten - zumindest für die Kunden des D1-Netzes. Seit einigen Wochen ist der Funkempfang gestört. "Vor allem in Oberschierke und in Richtung Brocken", berichtet Hotelier Daniel Steinhoff. Das sei für ihn ein großes Handicap. "Die Kommunikation läuft heutzutage fast nur noch übers Handy", so Steinhoff. "Wenn ich unterwegs bin, können mich meine Mitarbeiter nicht mit Geschäftspartnern verbinden." Er müsse sich erst ein "schönes Plätzchen" suchen, bis sein Telefon das Funksignal wieder empfange. Auch Hotelgäste hätten sich bereits bei ihm beschwert.

"Wenn jemand im Wald in eine Notlage gerät, kann er mit dem Telefon nicht um Hilfe rufen."
- Ortswehrleiter René Menzel

René Menzel ist ebenfalls D1-Kunde. Der Chef der Schierker Feuerwehr ist nicht nur selbst betroffen, sondern sorgt sich zudem noch um Wanderer und Besucher. "Wenn jemand im Wald in eine Notlage gerät, kann er mit dem Funktelefon niemanden um Hilfe rufen", gibt der Wehrleiter zu bedenken. "Es kann doch nicht sein, dass man für seinen Handyvertrag viel Geld bezahlt und dann keinen Empfang hat."

Schierkes Bürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) ist das Problem bekannt. Viele Dorfbewohner und auch ein Arzt hätten sich an sie gewandt, da der Netzbetreiber Telekom bislang nicht auf Beschwerden reagiert habe. "Das ist auf Dauer kein Zustand", sagt Christiane Hopstock. Pensionen und Hotels in Schierke seien im Moment ausgebucht. Darüber hinaus halten sich derzeit viele Tagesgäste im Ort auf. "Nicht auszudenken, wenn etwas passiert und wir die Bergwacht nicht erreichen können."

"Wir hoffen dadurch zeitnah, die ursprüngliche Versorgung wieder herzustellen." - Telekom-Sprecherin Lisa Machnig

Inzwischen hat sich die Wernigeröder Stadtverwaltung in die Sache eingeschaltet. "Das ist ein öffentliches Problem, wenn keine Notrufe getätigt werden können", sagt Wirtschaftsförderer Ralf Quednau. Den zuständigen Telekom-Mitarbeiter habe er bereits am Freitag kontaktiert. "Bis heute gab es allerdings keine Rückmeldung - weder per E-Mail noch per Telefon." In Schierke kursiert indes das Gerücht, dass eine Funkantenne beim Abriss der nahegelegenen Wurmbergschanze beschädigt wurde und dies die Ursache für den gestörten Handyempfang im Dorf sei.

Dem sei nicht so, heißt es von der Telekom. Grund für die Störungen sei ein Komplettumbau der Antennenanlage nahe des Schierker Bahnhofs auf LTE-Technik, informiert Pressesprecherin Lisa Machnig auf Volksstimme-Nachfrage. "Die Rundstrahlantennen werden derzeit durch Sektorenantennen mit LTE-Technik ausgetauscht." Die Arbeiten hätten zwischen 28. Juli und 1. August zu Störungen von Telefon und Internet im Mobilfunk geführt. Um die Antenne später zu prüfen, sei sie abgestellt worden. So seien die Ausfälle am 1. September zu erklären. Durch den Umbau sei momentan die Reichweite im Mobilfunk gemindert. Inzwischen sei "mit hoher Priorität" ein Techniker nach Schierke geschickt worden, so Lisa Machnig. Er werde die Sektoren noch einmal überprüfen. "Wir hoffen dadurch zeitnah, die ursprüngliche Versorgung wieder herzustellen."