Timmenrode l "Muss denn erst etwas passieren?" Diese Frage hört Timmenrodes Bürgermeister Jürgen Baum nicht zum ersten Mal, wenn es um die Westerhäuser Straße geht. Seit mehr als zwei Jahren beklagen Anwohner eine Zunahme des Pkw- und Lkw-Verkehrs, weil rund um Thale gebaut wird. "Es ist nicht mehr zu ertragen", sagen beispielsweise Kathrin und Jürgen Reingart, die eine Unterschriftensammlung initiiert, Beschwerden geschrieben, Anträge gestellt haben. Bisher vergebens.

Alle Begehren, auf der Kreisstraße K 1348 Tempo 30 und eine Tonnagebegrenzung auf sechs Tonnen für Lkw durchzusetzen, wurden abgelehnt. Geblieben sind ihnen ein Verwaltungsgebührenbescheid über 140,80 Euro und nach wie vor unerträglicher Lärm. "Um vier Uhr ist unsere Nacht zu Ende", sagt Jürgen Reingart. Dann werde die Westerhäuser Straße zur Autobahn. Zum Lärm komme die Staubbelastung hinzu und die tägliche Angst vor Unfällen. "Ich fahre immer mit Angst den Brink hinunter", sagt Anwohner Jürgen Kiehne. Für seine Frau Angelika ist es unverständlich, dass in der Straße, die tagsüber von Dutzenden Schulkindern überquert werden muss, nicht strenger kontrolliert wird.

"Früher galt hier rechts vor links, da wurde automatisch langsamer gefahren", erinnert sich Jürgen Reingart. Inzwischen sei die Straße eine Rennstrecke. Nicht zuletzt, weil moderne Navigationsgeräte die Route von der B6 nach Thale über Helsungen und Timmenrode empfehlen und nicht die behördlich angeordnete Umleitung über Blankenburg.

Das Landesverwaltungsamt und selbst der Petitionsausschuss des Landtages stützen dagegen die Argumentation der Harzer Kreisverwaltung, wonach es keine zwingenden Umstände gebe, eine Tempo- und Tonnagebegrenzung festzulegen. Die Straße sei sehr gut ausgebaut, gut einsehbar, rein statistisch kein Unfallschwerpunkt und weise auch keine überdurchschnittliche Verkehrsbelastung auf. Der Lkw-Verkehr sei sogar stark zurückgegangen. Das hätten Verkehrszählungen und Geschwindigkeitsmessungen ergeben.

Zahlen, die die Anwohner der Westerhäuser Straße sehr anzweifeln. Schäden am Straßenbelag und am Fußweg, der nicht selten an einer Einengung einfach überfahren werde, seien sichtbare Zeichen. Auch Jürgen Baum will deshalb nicht locker lassen, um zumindest weitere Verkehrskontrollen zu erreichen.

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