Wernigerode l Helmut Gerlach dreht das bräunliche Gewächs mit den vielen Hüten vorsichtig in den Händen. "Das sind Hallimasch. Sie sind derzeit ganz häufig zu finden", sagt der Wernigeröder. Er muss es wissen, denn Gerlach ist einer von 13 Pilzberatern im Harzkreis. Seit 36 Jahren berät der 77-jährige Sammler, die unsicher sind, was sie von ihren Funden halten sollen.

Die Pilzsaison ist derzeit in vollem Gange - und sie ist ungewöhnlich ergiebig. "2014 ist ein sehr gutes Pilzjahr", sagt Helmut Gerlach. Der 77-Jährige ist mehrmals pro Woche in den Wäldern rund um Wernigerode unterwegs, oft in Richtung Elbingerode und Drei Annen Hohne. "Steinpilze habe ich in jüngster Zeit kaum noch gefunden", berichtet Gerlach - doch im August war der Wald noch voll davon. "So viele Steinpilze wie in diesem Jahr hatten wir selten."

In den Harzer Wäldern wachsen jedoch viele andere Speisepilze, zum Beispiel Maronen, Hallimasch und Pfifferlinge. "Letztere sind in diesem Jahr ungewöhnlich groß", hat Gerlach beobachtet. Aber auch weniger gängige Sorten sind zu finden, zum Beispiel der Mohrenkopf-Milchling. "Damit sind schon einige zur Beratung gekommen", sagt Helmut Gerlach. Zu erkennen ist das Gewächs an seinem schwarzen Hut. "Wenn man ein Stück abbricht, quillt eine weiße, milchige Flüssigkeit heraus, die im Geschmack recht mild ist." Außerdem wächst gerade der Violette Rötelritterling - zu erkennen an seiner deutlichen Lilafärbung. Ebenfalls sehr häufig ist im Wald derzeit der Safran-Schirmpilz zu finden. "Wenn man am Stiel kratzt, läuft er karottenrot an", erklärt der Pilzberater.

Rund 100 Besucher hat er in diesem Jahr bereits empfangen - 2013 waren es über das ganze Jahr nur 70. Pilze sind schon seit Langem seine Leidenschaft. "Als junger Mann bin ich häufig losgezogen, um neue Sorten zu finden und habe meine Funde der Kreisbeauftragten für Pilzaufklärung gemeldet", erinnert sich Helmut Gerlach. Berater wollte er zunächst nicht werden - ihn schreckte die Verantwortung. Denn Pilze zu bestimmen, ist nicht immer einfach - so gibt es allein rund 60 verschiedene Arten von Champignons. "Bis jetzt hat sich aber noch niemand vergiftet", sagt Gerlach mit einem Lächeln.

Doch dem Wernigeröder geht es nicht nur darum, genügend Pilze für ein schmackhaftes Gericht nach Hause zu bringen. "Ich sammle nicht nur das, was ich essen kann, sondern auch, was mich mykologisch interessiert." Mit der Mykologie, der Lehre von den Pilzen, befasst sich Gerlach in seinem Büro im Dachgeschoss. Dort hat er seine Fachliteratur, sein Mikroskop und seinen Rechner, auf dem er Tausende von Pilzbildern archiviert hat. Seltene Funde meldet er den Autoren der "Pilzflora von Sachsen-Anhalt". Das Nachschlagewerk ist 2009 erschienen und gibt einen Überblick über alle Arten, die in Sachen-Anhalt gefunden worden sind.

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