Bei der Grünpflege justiert die Stadtverwaltung Wernigerode nach. Für die Stadt und jeden Ortsteil sollen in einem Plan die Zuständigkeiten für die Flächen geregelt werden. Nötig ist das auch mit Blick auf die neue, doppische Haushaltsführung.

Wernigerode/Reddeber l Ärger hat sich im Laufe des Jahres bei den Reddeberanern angestaut. Das Grün im Ort wucherte wild, die Anwohner klagten, niemand fühle sich zuständig. Doch wer genau hat es versäumt, dort zu mähen und zu pflegen? Damit dies künftig klar ist, will die Wernigeröder Stadtverwaltung für die gesamte Stadt einen Plan erstellen. Den Start eines entsprechenden Modellprojekts kündigte Gartenamtsleiter Frank Schmidt in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates Reddeber an.

Dort übernimmt die Stadtverwaltung den Grünschnitt wieder selbst. Zuvor war ein Teil der Arbeiten an eine Firma vergeben, doch diese war mit dem Auftrag für Wernigerode und Reddeber überfordert (die Volksstimme berichtete). Nun wird in der Saison ein Gärtner abgestellt, der den Gemeindearbeiter im Dorf unterstützt. "Wir wollen eine Linie hineinbringen", so Schmidt. Die pflegeintensiven Bereiche habe das Gartenamt schon immer selbst erledigt. Ortsbürgermeister Marcus Meier (Unabhängige Wählergemeinschaft Reddeber) zeigte sich zufrieden. "Damit kann man leben."

Reddeber als Vorreiter

In Zukunft erhält der Dorfchef eine Karte, auf der verzeichnet ist, welche Flächen von der Stadt gepflegt werden. Bei Beschwerden gibt sie Aufschluss, an wen man sich wenden muss. "Wir wollen klarstellen, wer für welchen Bereich zuständig ist", erklärte Frank Schmidt. Reddeber bildet da nur die Vorhut, denn für die anderen Ortsteile und das Wernigeröder Stadtgebiet sollen ähnliche Karten entstehen.

Dazu durchforsten die Mitarbeiter des Gartenamtes alle verfügbaren Unterlagen. Das Ziel: Jeder Quadratmeter der rund 200 Hektar Grünfläche in Stadt und Ortsteilen soll einer verantwortlichen Stelle zugeordnet werden. Denn die Ämter sind seit der Einführung der Doppik, der neuen Haushaltsführung unter betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen, mehr als zuvor für ihre eigenen Budgets verantwortlich. "Wir können nicht ohne Auftrag tätig werden", so Frank Schmidt.

Das heißt: Es muss klar sein, wer zahlt. Und weil niemand die knappen Budgets zusätzlich belasten wolle, hebe bei Streitfällen keiner als erster die Hand, so Schmidt. Ein Beispiel seien die städtischen Sportplätze - sie könnten den Liegenschaften, den Sportstätten oder dem Bereich Schule zugeordnet werden. Als am Silstedter Sportplatz die maroden Pappeln gefällt werden mussten, kam es auch deshalb zu Verzögerungen. Ordnungsdezernent Volker Friedrich: "Da ist vieles noch nicht geklärt, was man niemandem vorwerfen kann."

Auch andernorts herrscht Klärungsbedarf, sagte Ordnungsdezernent Volker Friedrich. Beispiel Tiergarten: Die historische Anlage gilt als Flächennaturdenkmal. Um den Auflagen des Denkmalschutzes Rechnung zu tragen, hat die Stadtverwaltung ein Konzept in Auftrag gegeben. "Wir wollen dahin kommen, dass die Historie des Parks erkennbar bleibt", so Friedrich. Doch dem Augenschein nach sei der Tiergarten ein Stück Wald. Die unterschiedlichen Ansprüche an die Bewirtschaftung führen zu Konflikten. "Da sagen die Denkmalschützer, die Douglasien sollten herausgenommen werden, während der Stadtforst befindet, dass diese zur natürlichen Entwicklung dazugehören", sagte Schmidt.

Hinzu komme, dass der Bereich Liegenschaften sich mit zahlreichen Grundstücken beschäftigen müsse, bei denen seit DDR-Zeiten die Besitzverhältnisse nicht geklärt seien. Wer da die Grünpflege übernehmen soll, ist offen.