Denkmäler gibt es in Wernigerode an fast jeder Straßenecke. Viele sind sehr bekannt, andere weniger. Zum Tag des offenen Denkmals bekamen Besucher Einblick in die Villa an der Forckestraße 2. Diese blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Wernigerode l Früher haben zahlreiche Patienten das Haus in der Wernigeröder Forckestraße aufgesucht, heute können Besucher nur selten einen Blick ins Innere der repräsentativen Villa werfen. Der Architekt Rolf Eckerlin hat solch einen Blick zum Tag des offenen Denkmals ermöglicht.

Das Gebäude mit der Hausnummer 2 ist ein Hingucker. Es ist 1899 erbaut und 1904 als Erholungsheim an die Stadt Essen veräußert worden. Nur fünf Jahre später entstand dort das Hotel "Essener Hof", das nur wenige Jahrzehnte bestand. Im Jahr 1938 wurde dort ein Entbindungsheim des "Lebensborns" eingerichtet und nach Ende des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1945, eine Kinderklinik geschaffen, die eng mit dem Namen des Mediziners Prof. Dr. Wolfgang Kiehl verbunden ist.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte es ihn aus Straßburg nach Wernigerode verschlagen, wo er am 13. August 1945 Leiter einer privaten Kinderklinik mit 80 bis 100 Betten wurde. 1955 erhielt er eine Professur an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 1974 wurde dem verdienstvollen Mediziner anlässlich des Tages des Gesundheitswesens in Würdigung seiner Tätigkeit im nichtstaatlichen Gesundheitswesen der Titel "Sanitätsrat" verliehen. Er war verheiratet mit Gertraudt Kiehl.

Noch heute sprechen Ältere von der "Kiehlschen Klinik", wenn sie das Haus an der Forckestraße 2 meinen. 1975 wird die von Wolfgang Kiehl geführte private Klinik für Kinder- und Jugendmedizin aufgegeben. Der Mediziner beendete in jenem Jahr aus Altersgründen seine ärztliche Tätigkeit. Zwischen 1975 und 1990 war dort die Kinderabteilung des Wernigeröder Krankenhauses untergebracht.

Es folgten einige Jahre Leerstand. Schließlich wurde das Gebäude 1995 saniert und beherbergt jetzt unter anderem das Architekturbüro alt neu von Rolf Eckerlin. Daneben finden sich eine Rechtsanwaltskanzlei und die Büroräume einer Gebrauchsgrafikerin.

Rolf Eckerlin öffnete das Gebäude und stellte sich den Fragen mehrerer Wernigeröder. "Ich bin überrascht, wie viele hier waren", sagte er. Die meisten Gäste hätten eine persönliche Beziehung zu dem Mediziner und dem Gebäude gehabt, hätten dort gearbeitet oder seien als Patient im Haus ärztlich versorgt worden, so Eckerlin. Beispielsweise sprach er mit der 84-jährigen Waltraut Reissbrod, die um 1970 häufig wegen einer Erkrankung ihrer Tochter in das Gebäude zur Behandlung gekommen war. Andere Besucher schilderten, wie sie einst dort einen Teil ihrer beruflichen Ausbildung erhielten. Manches erkannten diese Besucher wieder, zum Beispiel schöne, noch erhaltene Wandfliesen. "Angespornt durch die vielen Gespräche, auch das Interesse der Besucher, öffne ich im kommenden Jahr zum Denkmaltag meine jetzigen Arbeitsräume wieder für Besucher", kündigte Eckerlin an.

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