Hausgemachtes Eis, Honig und Baumkuchen - die Harzer Volksstimme stellt in einer Serie Menschen vor, die für süße Momente in Wernigerode sorgen. Heute: Bienenzüchter Wilfried Götze.

Wernigerode l Es summt und brummt im Wald zwischen Wernigerode und Darlingerode. Tausende Bienen fliegen umher. Wilfried Götze nimmt einen Wabenkasten aus dem Bienenstand heraus. Seit mehr als 50Jahren ist der 68-Jährige Hobby-Imker aus Leidenschaft.

Die Bienen sind sein Ein und Alles. "Meine Familie hat schon immer gezüchtet", berichtet Götze. "Die ersten Ableger habe ich von meinem Vater zum 14.Geburtstag bekommen".

Bei der Arbeit trägt Götze eine grüne Jacke aus dickem Jeansstoff, die ihn vor Stichen schützt. Die Stachel seiner Tiere bekommt er nicht oft zu spüren, denn er züchtet sanftmütige Carnica-Bienen. 24 Bienenvölker hält der Imker. "Ein Volk besteht aus etwa 60000 bis 80000 Tieren." Das seien insgesamt rund 1,5 Millionen Bienen. Damit hat der Züchter viel zu tun. "Imkerei bedeutet jede Menge Arbeit. Man muss mit Leidenschaft und Begeisterung dabei sein", sagt er.

In Sommerurlaub fahren kann Götze nicht, die Wochenenden in den warmen Monaten sind den Bienen vorbehalten. Ab Frühjahr sammeln die fleißigen Tiere in Wäldern und auf Wiesen Nektar. Im Mai erntet und schleudert er den ersten Honig. "Zwei bis drei Trachten gibt es im Jahr." Tracht heißt die Zeit, in der die Bienen mehr Nahrung in den Stock bringen, als sie verbrauchen.

Je nach Jahreszeit sammeln sie Pollen verschiedener Pflanzen. "Bei der Frühtracht entsteht Mischhonig aus Löwenzahn, Obstblüten, Ahorn und manchmal auch Raps", erklärt Wilfried Götze. In der zweiten Tracht stammt der Nektar von Himbeer- und Brombeerpflanzen. "Wenn das Wetter mitspielt, gibt es eine dritte Tracht. Dann bringt die Biene Pollen aus Lindenblüten und Waldblüten", so Götze.

Dass Imker den Bienen den Honig wegnehmen, sei übrigens falsch. "Wir stehlen den Tieren nicht die Nahrung, sondern helfen ihnen, Honig loszuwerden", so Götze. Der Nahrungsüberschuss nehme so viel Platz im Bienenstock weg, dass das Volk keine Brut mehr anlegen könne und daran zu Grunde gehe. "Ein Drittel des Nektars lasse ich den Bienen."

Bis zum 20. Juli eines Jahres kann der Imker das süße Gold ernten. "Der Honig muss erst durch die Biene getrocknet werden. Wenn er einen Wassergehalt von unter 18Prozent hat, wird er geschleudert", erklärt er. "Pro Volk kommen im Jahr 30 bis 50 Kilo Honig zusammen." Die süße Leckerei füllt Wilfried Götze in Gläser. "Einige Honigliebhaber sind mir seit mehr als 20 Jahren treu." Nachbarn kämen regelmäßig, um sich mit Bienengold einzudecken.

Im August bereiten die Bienen sich auf den Winter vor, Götze füttert Zuckersirup zu. "In der kalten Jahreszeit bin ich auf Imkerveranstaltungen und Züchterkongressen unterwegs", sagt er. Seit mehr als 30 Jahren ist er Vorsitzender des Wernigeröder Imkervereins. Mit seinen Mitstreitern macht der Imker auf das Bienensterben aufmerksam. "Das Thema ging durch die Medien. Darum hat der Verein Zulauf." In zehn Jahren seien 30 Imker beigetreten. Inzwischen zähle der Verein 54 Mitglieder. Der Ingenieur für Elektrotechnik geht Ende 2014 in Rente, doch Bienen wird er weiter züchten. "Das kann ich noch mindestens zehn Jahre", sagt er und lacht.