Vor 50 Jahren haben sie ihren Abschluss gefeiert. Jetzt haben sich die ehemaligen Schwesternschülerinnen in Wernigerode wiedergetroffen. Dabei schwelgten sie in Erinnerungen.

Wernigerode l Annemarie Spanjer hat ihre Schwesterntracht noch einmal aus dem Schrank geholt. In ihre einstigen Arbeitskleidung begrüßt die 69-Jährige ihre Weggefährtinnen von früher. "1964, vor genau 50 Jahren, haben wir unsere staatliche Anerkennung als Krankenschwestern erhalten", erinnert sich die Wernigeröderin. "Wir waren 23 Auszubildende."

Zum Wiedersehen haben sich 13 von ihnen eingefunden. "Es hat uns über die Jahre in alle Himmelsrichtungen verstreut", sagt Annemarie Spanjer. So seien einige ihrer Bekannten von weither angereist.

"Die wenigsten von uns sind im Beruf geblieben." Spätdienste, Arbeit am Wochenende, eigene Kinder - es sei schwierig gewesen, das alles unter einen Hut zu bringen. "Da musste der Partner schon mitziehen." Wie bei ihr.

"Am Anfang bestand der Großteil meiner Arbeit im Krankenhaus aus Saubermachen. Es wurde viel Wert auf Sauberkeit gelegt." Damals habe es noch keine Spülmaschinen gegeben. "Wir haben die Schieber mit der Hand abgewaschen - ohne Handschuhe." Seit 1972 arbeitete sie als Stationsschwester, unter anderem in der kardeologischen Wachstation, später in der Intensivstation. "Ich habe in meinen Berufsjahren Schönes, aber auch Trauriges erlebt. Aber ich habe gern als Krankenschwester gearbeitet, möchte die Zeit nicht missen." Ihre Patienten hätten sich gut aufgehoben gefühlt. Die vielen Dankesschreiben von damals, die sie aufgehoben hat, beweisen das. "Wir haben unseren Patienten nachts noch ein Spiegelei gebraten, wenn sie totkrank waren - nur damit sie sich besser fühlen."

Beim Treffen mit ihren ehemaligen Kollegen wolle sie vor allem in Erinnerungen schwelgen und in alten Büchern schmökern. "Ich habe unsere Brigadetagebücher aufgehoben", sagt Annemarie Spanjer. Darin seien viele Fotos von der Arbeit, von Feiern und Umbauarbeiten in der Klinik enthalten. "So jung waren wir damals", sagt sie beim Durchblättern.

In der Ausbildungszeit seien viele Freundschaften entstanden, einige fürs ganze Leben. Ein kleines Grüppchen der in Wernigerode Verbliebenen trifft sich seit vielen Jahren regelmäßig. "An einem dieser Nachmittage hatten wir die Idee für unser großes Wiedersehen." Zu anderen Frauen hatte sie 50 Jahre lang keinen Kontakt. Berührungsängste gebe es dennoch nicht. "Die Zeit hat uns zusammengeschweißt."

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