Wernigerode l Die Wernigeröder Wiesn Gaudi auf dem Ochsenteichgelände geht an diesem Wochenende zu Ende. Für die meisten Festbesucher ist das Oktoberfest nicht nur mit dem Tragen von Dirndl und Lederhosen verbunden. Für viele gehört wenigstens eine Maß Bier - das entspricht einem Liter - unmittelbar zum Wiesnbesuch dazu. Die Fachstelle für Suchtprävention in Wernigerode registriert Jahr für Jahr einen Anstieg der behandelten Alkoholvergiftungen in den Kinderkrankenhäusern im Harzkreis, sagt Mitarbeiterin Antje Rumpf. "Die Entwicklung ist besorgniserregend", sagt sie. "Das Problem ist, dass Bier, Sekt und Wein auf dem Oktoberfest in sehr großen Gläsern ausgeschenkt werden." Gemeinsam mit Gernot Eisermann von der Stadtjugendpflege haben die Mitarbeiter der Suchtberatung eine Strategie erarbeitet, um zumindest junge Festbesucher über Alkoholmissbrauch aufzuklären. "Gernot Eisermann hat zum Oktoberfest kurzerhand seine Arbeitszeit in die Abendstunden verlagert, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen."

Das "Komasaufen" sei besonders bei jüngeren Gästen zu einem regelrechten Sport ausgeartet. "Wir erklären, wie man mit Menschen umgeht, die zu viel getrunken haben", sagt sie. Generell gelte: Ist jemand nicht mehr ansprechbar, muss sofort ein Notarzt gerufen werden.

Um das Fest zu genießen, hat Antje Rumpf Tipps zusammengestellt. "Was ich empfehlen kann, ist, mindestens so viele antialkoholische Getränke wie alkoholische zu konsumieren." Schon vor dem Gang zum Festzelt sollte in der Gruppe klar abgesprochen werden, wer fährt. "Auf nüchternen Magen sollte kein Alkohol getrunken werden", sagt Antje Rumpf. "Und man sollte immer weniger trinken, als man meint, vertragen zu können. Schaffe ich drei Gläser Bier, sollte nach zwei Gläsern Schluss sein." Ab 14 Jahren dürfen Jugendliche im Beisein der Eltern Bier, Wein und Sekt trinken. Ab 16 Jahren sind diese Getränke erlaubt. Ab 18 Jahren dürfen junge Erwachsene Spirituosen konsumieren. "Oft stehen bei den Festen Studenten hinter der Theke. Problematisch ist dabei, dass das Personal häufig leider schlecht geschult wird", sagt Antje Rumpf. "Bei Weihnachtsmärkten gehen wir von der Präventionsstelle direkt in die Stände und klären das Verkaufspersonal auf."

Kinder würden das Trinkverhalten von den Erwachsenen übernehmen. "Deshalb sollten gerade wir Erwachsenen zum Oktoberfest Vorbilder sein. Die Kinder lernen von uns."