Wernigerode l Die ehemalige Schokoladenfabrik "Argenta" in Wernigerode wird im Auftrag der Nord LB zwangsversteigert. Investoren mit dem nötigen Kleingeld können am 5. Februar 2015 im Wernigeröder Amtsgericht für die 22.000 Quadratmeter große Industriebrache an der Burgmühlenstraße bieten.

471.700 Euro ist das Grundstück samt Gebäuden noch wert, wie ein Gutachter im Auftrag der Gläubigerbank bereits im Jahr 2013 ermittelte. Die Ergebnisse seiner Untersuchung können im Amtsgericht unter dem Aktenzeichen"12K1/13" eingesehen werden. Im Gutachten sind auch Fotos aus dem Inneren der Gebäude zu sehen. Zu dem Objekt in Hasserode gehören laut Exposé "erhaltenswürdige Gebäude" sowie "abrissreife Nebenobjekte". Darunter sind ein Heizhaus nebst Öllager, Fachwerkgebäude mit Reihengaragen, ein Pumpenhaus und ein Trafohaus aus dem Jahr 1919. Rund 8500 Quadratmeter Nutzfläche bietet das L-förmige Hauptgebäude samt Keller.

Käufer muss mindestens 235850 Euro zahlen

Versteigert werden zudem mehrere Flurstücke mit einer Gesamtfläche von 16485Quadratmetern, die sich laut Gerichtsunterlagen für eine Wohnbebauung eignen. Der Standort nördlich der Burgmühlenstraße und südlich der Holtemme wird als "sehr gut begrünt und belichtet" beschrieben. Ob Fabrikgebäude und Flurstücke getrennt oder als eine Einheit erstanden werden können, entscheidet die Gläubigerbank kurz vor dem Termin. Um überhaupt mitbieten zu können, müssen Interessenten eine Sicherheitsleistung von 47170Euro vorweisen. In einigen Fällen ist der Nachweis nicht notwendig - auch hier wird die Entscheidung kurzfristig von der Nord LB getroffen.

Bieter sollten sich über Zusatzkosten im Klaren sein, die nach dem Kauf auf sie zukommen würden. So ist in dem Exposé von einem "völlig vernachlässigten Gesamteindruck" und einer "Altlastenproblematik" die Rede. Der künftige Eigentümer muss daher mit "umfangreichen Grundstücksfreilegungskosten inklusive Müll- und Bauschutt-entsorgung sowie Rodung von Wildwuchs" rechnen.

Da es sich um den ersten Versteigerungstermin handelt, müssen mindestens 70Prozent des Verkehrswertes - also 330190Euro - geboten werden. Unter dieser Wertgrenze muss das Gericht den Zuschlag versagen. Diese Regelung soll den Schuldner vor einer Verschleuderung seines Grundstückes schützen. Das Gericht setzt einen Wiederholungstermin an, bei dem ein Bieter dann bei weniger als 70 Prozent des Verkehrswertes den Zuschlag erhalten kann.

Die Zwangsversteigerung ist vor zwei Jahren von der NordLB beantragt worden. Mehrere Hunderttausend Euro hatte die Bank der Eigentümerin geliehen. Die Wernigeröderin ist Volksstimme-Informationen zufolge zahlungsunfähig und befindet sich in einem laufenden Insolvenzverfahren.

Asbest und Kühlschränke im August abtransportiert

Im Mai 2007 hatte sie das Areal gekauft (die Volksstimme berichtete). Eine Investorengemeinschaft, zu der ihr Ehemann gehörte, wollte damals ein Projekt zur Wohnbebauung an dem Standort umsetzen. Elf Einfamilienhäuser, 40 Mietwohnungen sowie ein Altenpflegeheim und ein Café sollten nach den Plänen der Sloft Concept GmbH Co. KG entstehen.

Angaben des Ehemanns zufolge sollten zwischen 5,4 und 7,5 Millionen Euro investiert werden. 2008 hatte der Stadtrat grünes Licht für das Vorhaben gegeben. Heute stehen lediglich drei Einfamilienhäuser auf dem Areal. Angeblich waren kurzfristig wichtige Geldgeber abgesprungen, das Projekt konnte nie umgesetzt werden. Die Sloft Concept GmbH Co. KG wurde am 27.Mai 2013 aus dem Handelsregister gelöscht.

Das Argenta-Gelände ist in diesem Jahr ein Fall für die Umweltbehörden geworden. Die Wernigeröder Eigentümerin soll Informationen von ehemaligen Geschäftspartnern zufolge Bauschutt und Schrott in den Gebäuden sowie auf dem Areal entsorgt haben.

Zuletzt hatte die Untere Abfallbehörde des Harzkreises Mitte August eine Asbestablagerung und zwei Kühlschränke vom Gelände abtransportieren lassen. Da dies innerhalb einer sogenannten Ersatzvornahme geschehen ist, bleibt die Behörde zunächst auf den Kosten von über 800 Euro sitzen. "Diese kleine Ablagerung ist noch eine Altablagerung, die wir im eingezäunten Gelände hinter dem Trafohaus entdeckt haben", sagte Bernd Germer von der Unteren Abfallbehörde gegenüber der Volksstimme. Die Kosten werden der Eigentümerin zwar in Rechnung gestellt. Bernd Germer geht jedoch nicht davon aus, dass sie diese Rechnung begleichen wird. Eine Kontaktaufnahme sei bislang gescheitert. "Ansonsten wird das Gelände regelmäßig kontrolliert", so Germer.