Über Kindermangel kann sich in Darlingerode niemand beklagen. Der Nachwuchs ist so zahlreich, dass im Kindergarten nicht genug Platz ist. Ein Teil der Mädchen und Jungen sind deswegen in der Feuerwache untergebracht. 2016 läuft die Ausnahmegenehmigung für diese Lösung aus.

Darlingerode l Auf dem Spielplatz des Kindergartens "Mäuseland" in Darlingerode geht es lebhaft zu. Spielgeräte und Buddelkasten werden von vielen Mädchen und Jungen genutzt.

Gegen 10 Uhr trifft eine weitere Gruppe Kinder auf dem Gelände ein. Am Tor sammelt eine Erzieherin signalgelbe Warnwesten ein. Die Kleinen haben ihren Gruppenraum nicht im "Mäuseland", sondern in der etwa 500 Meter entfernten Feuerwache. Um auf ihrem täglichen Weg von der Wache zum Kindergarten besser gesehen zu werden, tragen sie die Warnwesten.

Die Unterbringung in der Feuerwache ist ein Provisorium. Neubaugebiet und Zuzug haben Darlingerode viele Kinder beschert, und die mussten untergebracht werden. Eine Ausnahmegenehmigung erlaubt die Nutzung der Feuerwehrräume bis 2016.

Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz habe die Situation in Darlingerode verkompliziert, sagt Ortsbürgermeister Werner Förster (CDU). "Wenn auf einmal doppelt so viele Eltern einen Platz in Anspruch nehmen, dann wird es eng." Die Betreuung in der Feuerwache sei aber problemlos. Dort sind die älteren Mädchen und Jungen untergebracht, damit im Stammhaus des "Mäuselands" Platz für die Krippenkinder ist. Bei denen gebe es den größten Zuwachs. Anfangs sei er skeptisch gewesen. Heute habe er allerdings keinerlei Vorbehalte mehr gegen die Unterbringung bei der Feuerwehr.

Eine Möglichkeit, das Provisorium zu beenden, wäre ein Anbau am "Mäuseland". Doch das sei nicht so einfach, sagt Werner Förster. Die einzig unbebaute Fläche am Kindergartengebäude ist eine Streuobstwiese, und die könne man nicht ohne Weiteres in Bauland umwandeln.

Bürgermeister gehen von sinkenden Kinderzahlen aus

Doch Werner Förster geht ohnehin davon aus, dass die Zahl der Kindergarten- und Krippenkinder im Ort bis 2016 wieder sinkt und ein Anbau nicht notwendig ist.

Ilsenburgs Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) sieht das ähnlich. "Einen Neubau auf Verdacht können wir uns nicht leisten", sagt er im Volksstimme-Gespräch. Beim Statistischen Landesamt möchte er eine Sonderberechnung für die Stadt Ilsenburg anfordern, um Genaueres über die zu erwartenden Kinderzahlen zu erfahren. Vor allem möchte der Bürgermeister die anderen Kindergärten der Stadt nutzen. In Drübeck, wo gerade saniert wird, würden bald 75 Plätze zur Verfügung stehen, der Ilsenburger Kindergarten habe mit etwa 200 Plätzen eine ähnliche Kapazität wie der Darlingeröder. Loeffke erwartet, dass die Kinderzahl in Ilsenburg in den nächsten Jahren sinken wird. Die freien Kapazitäten könnten dann die Kinder aus Darlingerode nutzen.

Anbau als Chance für integrativen Kindergarten

Stadtratsratsmitglied Eberhard Schröder (Linke) hält das Abwarten für falsch. Es gebe keinerlei Grundlage für die Annahme, dass die Zahl der Kinder in Darlingerode sinken werde. "Das Neubaugebiet wird weiter erschlossen, der Bedarf daher nicht zurückgehen", sagt er gegenüber der Volksstimme. Schröder befürchtet, dass sich Familien wegen der angespannten Versorgungslage mit Kindergartenplätzen gegen einen Umzug nach Darlingerode oder gar für einen Wegzug entscheiden werden. Er und seine Fraktion im Stadtrat favorisieren einen Erweiterungsbau am "Mäuseland". Dass der Ilsenburger Kindergarten bald Darlingeröder Kinder aufnehmen soll, hält Schröder für nicht praktikabel. Schon heute werde dort ein ursprünglich für Therapien vorgesehenes Zimmer als Gruppenraum genutzt. "So sinken unsere Standards immer weiter", sagt Schröder.

In einem Anbau am "Mäuseland" sieht der Kommunalpolitiker auch eine Chance für einen integrativen Kindergarten. Im Neubau könne man von Anfang an barrierefrei bauen, sagt Schröder.

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