Besonders düster ist der Weg zur Schule für Kinder, die den Fuß- und Radweg Am Stillen Wasser in Wernigerode passieren. Nicht mehr lange: Denn im November wird der Weg mit Straßenlampen ausgestattet. Um die Beleuchtung zu finanzieren, werden im Bauamt andere Projekte zurückgestellt.

Wernigerode l Die Tage werden immer kürzer, die Sonne geht derzeit gegen 7.45 Uhr auf. Viele Kinder sitzen um diese Uhrzeit schon im Klassenraum. Sie müssen den Schulweg im Dunkeln zurücklegen.

Besonders düster sieht es für die Kinder aus, die den Fuß- und Radweg am Stillen Wasser in Wernigerode nutzen, um zur Francke-Schule in Hasserode oder zu den Schulen im Wernigeröder Zentrum zu gelangen: Ein 570 Meter langer Abschnitt des Weges zwischen Bahnübergang am Wiesenhang und Haltestelle der Harzer Schmalspurbahnen ist unbeleuchtet - doch das soll sich bald ändern. "Im November beginnen wir mit der Ergänzung der Straßenbeleuchtung", sagt Jörg Völkel vom Wernigeröder Bauamt.

Zehn Holzmasten mit Lampen werden im Abstand von etwa 35 Metern rechts und links des Weges aufgestellt und über eine Freileitung mit Strom versorgt. Um die Masten für die Kabel zu setzen, werden die Bäume zurückgeschnitten. Aufgrund der Enge zwischen Bachlauf des Stillen Wassers und Gleisen der Harzer Schmalspurbahnen können die Kabel nicht im Erdreich verlegt werden. Licht ins Dunkel bringen klassische Natriumdampflampen.

Noch im November soll das Projekt abgeschlossen werden, so Völkel. Der Bauamtsleiter macht derweil keinen Hehl daraus, dass er nicht glücklich über die Entscheidung des Stadtrates ist, den Weg noch in diesem Jahr mit Straßenlampen auszustatten. "Ich habe ganz klar davon abgeraten. Der Weg ist in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Anfang der 1990er Jahre gebaut worden und mittlerweile stark beschädigt. Der Rand senkt sich zum Bachbett ab", sagt er. "Die Strecke hätte im nächsten Jahr saniert, verbreitert und mit Straßenbeleuchtung ergänzt werden können." Ein so umfangreiches Bauprojekt hätte in diesem Jahr aufgrund der Kosten und der notwendigen Vorplanung nicht mehr umgesetzt werden können.

Der Stadtrat entschied in seiner Sitzung Ende März überraschend, den besonders bei Studenten und Hasseröder Anwohnern beliebten Weg mit Straßenlaternen auszustatten (Volksstimme berichtete). Zuvor hatten die Kommunalpolitiker in den Fachausschüssen mehrheitlich abgelehnt, die Radwegbeleuchtung schon in diesem Jahr anzugehen. Vielmehr sollte das Vorhaben geprüft und erst 2015 auf den Weg gebracht werden. Trotzdem hatte CDU-Lokalpolitiker André Weber seinen Antrag zur Beleuchtung aufrechterhalten und im Stadtrat zur Abstimmung gestellt. 13 Stadtratsmitglieder stimmten für den Antrag, zehn waren dagegen, sieben enthielten sich.

Die Kosten hatte Weber damals auf 75000 Euro geschätzt. "Sie liegen jetzt bei 37000 Euro", so Völkel. "Allerdings müssen wir andere Projekte zurückstellen, um die Arbeiten am Stillen Wasser zu finanzieren." So wird der Gehweg in der Karl-Marx-Straße nur an einigen Stellen repariert. Auf 2015 wird zudem die Ausstattung mit Straßenlampen eines Abschnitts des Gießerwegs verschoben. "Der Rat muss damit klarkommen, dass andere das Nachsehen haben, damit der Radweg am Stillen Wasser beleuchtet wird", sagt Völkel.

André Weber hatte den Finanzierungsvorschlag für die Beleuchtung des Radwegs offengelassen.