Nachdem die Kreisverwaltung eine wichtige Weiche für den Bau des Baumwipfelpfades auf der Thalenser Roßtrappe gestellt hat, prüft der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rechtliche Schritte gegen das Projekt. Das entscheidende letzte Wort liegt jedoch beim Land.

Thale/Halberstadt/Magdeburg l Pamela Groll sieht einem Jubiläum entgegen. Einem, das sie nie angestrebt hat. "Im Januar werden es sechs Jahre", sagt die Chefin der Seilbahnen Thale GmbH. Sechs Jahre, seit die Idee, die touristischen Offerten rund um Bodetal und Hexentanzplatz um einen weiteren Magneten zu ergänzen, geboren wurde: Ein Baumkronenpfad, hoch oben über dem Bodetal, im Areal der rund 400 Meter aufragenden Roßtrappe und damit in einem Landschaftsschutzgebiet (LSG). Im Herbst dieses Jahres nahm Grolls Projekt zumindest zwei erste Hürden: Die Thalenser Stadträte billigten einstimmig den mittlerweile zehnten Entwurf zum Bebauungsplan für den Baumkronenpfad. Wenige Tage später befreite die Kreisverwaltung die Stadt Thale vom grundsätzlichen Bauverbot im LSG. Grünes Licht für den Bau des Wanderpfades in Baumkronenhöhe hat die Macherin von den Seilbahnen damit aber noch nicht.

Unter anderem, weil Naturschützer, allen voran der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), gegen die Pläne Sturm laufen. Sachsen-Anhalts Nabu-Chefin Annette Leipelt empört insbesondere der Bescheid aus der Harzer Kreisverwaltung. In dem Papier, so ihre Kritik, werde inhaltlich kurzerhand die von der Stadt vorgenommene Abwägung zwischen öffentlichen Interessen und den Belangen des Natur- und Umweltschutzes übernommen. Dass Thale dabei - anders als der Nabu - keine "erhebliche Beeinträchtigung von Natur, Landschaft und Landschaftsbild" sieht, verwundert Leipelt nicht.

Die Nabu-Chefin stört jedoch nicht nur die Höhe des gut 20 Meter hohen Baumkronenpfades, sondern vor allem dessen Nähe zum angrenzenden Naturschutzgebiet. Deshalb werde der Befreiungs-Bescheid der Kreisverwaltung gegenwärtig vom Nabu geprüft. "Es ist gut möglich, dass wir die Entscheidung juristisch anfechten", kündigt Annette Leipelt an.

Ein Schritt, mit dem Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski, erklärter Befürworter des 1,5-Millionen-Euro-Projektes, ohnehin rechnet. "Wir ringen seit Jahren mit Naturschützern um Details, ohne dass ich dort irgendeine Kompromissbereitschaft erkennen kann", sagt der Christdemokrat sichtlich verschnupft. Wenn man partout auf keinen gemeinsamen Nenner komme, müssten eben Gerichte entscheiden.

Dabei ist der Konflikt zwischen Investor sowie Stadt- und Kreisverwaltung auf der einen und dem Nabu auf der anderen Seite - salopp formuliert - nur Nebenkriegsschauplatz. Letztlich kann das Land über Wohl oder Wehe des Roßtrappen-Projektes entscheiden, denn die für den Pfad benötigten Flächen sind allesamt im Landeseigentum. Gibt das Land die benötigten Grundstücke nicht her, sind Pamela Grolls jahrelangen Planungen Makulatur.

Dass "mit dem Eigentümer das Ganze steht oder fällt", ist der Seilbahnen-Chefin klar. "Wir werden jetzt mit dem Land sprechen", kündigt sie an. Weil es in der Vergangenheit schon Kontakte gab und mit dem Pfad auch dem "Umwelt-Bildungsgedanken" Rechnung getragen werde, sei sie optimistisch.

Optimismus, den Detlef Thiel vom Umweltministerium nicht uneingeschränkt teilt: "Wir kennen die ursprüngliche Planung, die unserer Auffassung nach nicht ins Landschaftsbild gepasst hat." Dass sie mittlerweile überarbeitet wurde, sei in Magdeburg ebenso bekannt wie die vom Harz-Kreis erteilte Befreiung vom Bauverbot im LSG. "Ob diese Befreiung die Bedenken zu einer möglichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ausreichend berücksichtigt hat, können wir nicht beurteilen. Deshalb kann derzeit auch zu einem eventuellen Verkauf der Fläche nichts gesagt werden", so der Sprecher von Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU).

Worte, die bei Thomas Balcerowski für wenig Freude sorgen dürften. Schließlich sieht der 42-Jährige seinen Parteifreund Aeikens im Wort: "Es gibt eine klare Zusage vom Minister für den Verkauf der Flächen", erinnert sich Balcerowski. Der Kontrakt sei Bestandteil eines ganzen Paketes von Vereinbarungen rund um das Bodetal und andere Liegenschaften im Stadtgebiet Thale. "Und ich gehe davon aus, dass das Wort eines Ministers etwas zählt."

Dessen ungeachtet sieht sich der Christdemokrat auf dem richtigen Weg, um Thale weiter voran zu bringen. "Der Stadtrat hat das Projekt einstimmig auf den Weg gebracht. Damit steht die Mehrheit der Thalenser hinter dem Vorhaben. Und ich werde alles tun, um es umzusetzen." Zudem kann Balcerowski die Kritik nicht nachvollziehen. "Wir tragen mit dem Pfad dem Wunsch der Menschen, sich in die Natur zu begeben, Rechnung. Es geht um Umweltbildung für Kinder. Wir Thalenser lassen uns die Entwicklung unserer Stadt auch nicht von Außenstehenden kaputt machen."

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