Wernigerodes Straßen auf dem Prüfstand: Schüler der Liv-Ullmann-Schule haben ihre täglichen Wege durch die Stadt auf Barrierefreiheit getestet - und einige Mängel entdeckt. Mit ihren Ergebnissen haben sie einen Wettbewerb der Kreisverwaltung gewonnen.

Wernigerode l Hindernisse und Stolperstellen für Menschen mit Handicap gibt es im gesamten Stadtgebiet Wernigerodes: Ein für Rollstuhlfahrer schier unüberwindbarer Bordstein, Baugerüste auf den Fußwegen, fehlende Beschilderungen, Straßenlaternen und Aufsteller, die es zu umkurven gilt. An welchen Stellen es genau hapert, haben Mädchen und Jungen der Förderschule "Liv Ullmann" aufgedeckt.

Aufgrund ihrer unterschiedlichen Behinderungsgrade - viele der Schüler leiden unter Mehrfachbehinderungen, Autismus und Wahrnehmungsstörungen - birgt jeder Gang durch die Altstadt Schwierigkeiten für sie. "Die Stadt ist ohne Frage schön. Aber sie ist auch geprägt von schmalen Gassen, hohen Kanten und Kopfsteinpflaster", erläutert der stellvertretende Schulleiter Thomas Fischer.

Ausgestattet mit Fotoapparaten sind Ullmann-Schüler mit ihren Lehrern und Betreuern ihre täglichen Wege abgegangen. "Sie haben dokumentiert, wo sie mit Rollstühlen Probleme haben und was sie gern ändern würden", sagt Fischer. "Dabei haben sie Sachen aufgedeckt, die uns wirklich überraschten, weil wir sie nie wahrgenommen haben." So gebe es am Bahnhof zwar abgesenkte Bordsteine, aber die Flächen davor seien Parkplätze. "Mit einem Rollstuhl kommt man an den Autos nicht vorbei", resümiert der Lehrer.

Viele Mängel sind den Stadtplanern, Bauleuten und Fußgängern ohne Handicap gar nicht bewusst, sagt Silvia Illas, Behindertenbeauftragte der Kreisverwaltung Harz. Ein Zustand, der sich bald ändern soll. Vertreter von Vereinen, Institutionen und Politik haben sich zum Bündnis "Landkreis Harz - inklusiv" zusammengeschlossen. Die konstituierende Sitzung findet am 3. Dezember statt. Silvia Illas: "Zu dieser Gelegenheit werden sich Arbeitsgruppen auch mit Vorschlägen von Schülern auseinandersetzen."

Diese stammen aus dem Wettbewerb "Barrierefreiheit im täglichen Leben - jede Barriere ist eine zu viel", zu dem Illas gemeinsam mit dem Internationalen Bund aufgerufen hatte. "Kinder sagen ganz unverblümt, was sie nicht in Ordnung finden, und genau das wollten wir erreichen", so die Behindertenbeauftragte. "Neben den Wettbewerbsbeiträgen sind zahlreiche kleinere Verbesserungsvorschläge eingereicht worden, die wirklich gut waren und künftig in der Planung beachtet werden sollen."

Nicht der einzige Grund zur Freude für die Ullmann-Schüler: Eine Jury wählte ihre Dokumentation sowie den Beitrag der Marianne-Buggenhagen-Schule aus Darlingerode zu den besten Einsendungen. Der Preis ist jeweils ein Tag Badespaß im Hasseröder Ferienpark.