Halberstadt l In zahlreichen Orten Deutschlands gibt es gegenwärtig Schwierigkeiten mit der Unterbringung von Asylbewerbern. "Auch bei uns mussten wir schon mal für eine Nacht die Turnhalle für Neuankommende herrichten", sagt Eckhardt Stein, Leiter der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Sachsen-Anhalt (ZASt).

Das Land muss 2,9 Prozent der bundesweit eingereisten Asylbewerber aufnehmen. In Halberstadt kamen von Januar bis Ende September bereits 4279 Ausländer an. Das sind rund 80 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2013.

"Das ging nicht immer problemlos, doch ein Bett hat sich immer gefunden", so Stein. Die Flüchtlinge sollen in der Regel maximal drei Monate bis zur Klärung ihres Asylantrages bleiben. Danach erfolgt die Unterbringung nach einem festgelegten Verteilerschlüssel in den Landkreisen.

In den vergangenen Jahren wurden nur zwei von drei ehemaligen Unterkunftsblöcken auf dem früheren Kasernengelände genutzt. Weil die Belegungszahlen jedoch deutlich anstiegen, wurde die Sanierung des mittleren Wohnblocks angeschoben. Dafür stellte das Land rund 1,5 Millionen Euro bereit.

Inzwischen sind die Handwerker mit den restlichen Fassadenarbeiten beschäftigt, während in den Zimmern die letzten Möbel aufgestellt werden. "Dadurch bekommen wir zu den 800 Plätzen weitere 200 hinzu", erläuterte der Leiter der Einrichtung. Die Freigabe der Behörden ist inzwischen erfolgt.

Effektiv können jedoch nicht immer alle Betten belegt werden, weil Familien sowie die Nationalität berücksichtigt werden müssen. Aktuell sind rund 30 Prozent der Ankommenden Kinder. Deshalb soll neben der vorhandenen Kindereinrichtung auch das Freigelände dafür hergerichtet werden. Tiefbauarbeiter sind dabei, ein Gelände zwischen zwei Wohnblöcken entsprechend umzubauen. Im kommenden Jahr soll ein weiterer Teil des Areals folgen.

In dem jetzt sanierten Gebäude ist auch die Außenstelle des Gesundheitsamts untergebracht. "Nach der Registrierung und der Übergabe eines Heimausweises müssen alle Ankommenden zu einer Erstuntersuchung mit Röntgen", erläuterte Eckhardt Stein.

Fiebertest an der Wache zur Ebola-Vorsorge

Immer wieder wird in jüngster Zeit die Frage nach der Ebola-Vorsorge gestellt. Ausländer aus den vier betroffenen afrikanischen Ländern werden in Sachsen-Anhalt gar nicht aufgenommen, sondern anderen Bundesländern zugeteilt, heiß es. "Dazu wird bei jedem Neuankömmling mit unklarer Herkunft an der Wache ein Fiebertest vorgenommen." Weitere Vorkehrungen erfolgten entsprechend der zentralen Vorgaben.

Um die Belange der Flüchtlinge - rund 25 Prozent kommen aktuell aus Syrien - kümmern sich fünf Sozialarbeiter. Eine personelle Aufstockung ist geplant. Außerdem bietet die Caritas vor Ort eine Asylberatung an. Regelmäßig gibt es in der ZASt Führungen für Gästegruppen.

In den frisch sanierten Unterkunftsbereichen bleibt es bei einer einfachen Ausstattung. Die Zimmer mit jeweils drei oder sechs Betten sind mit einem Schrank je Bewohner, Tisch und Stühlen ausgestattet. Auf den Etagen gibt es die nötigen Sanitäreinrichtungen und eine Küche, in der neben der Gemeinschaftsverpflegung auch eigene Gerichte oder Getränke zubereitet werden können. Neu ist hier, dass per Bewegungsmelder geprüft wird, ob jemand am Herd steht - falls nicht, erfolgt zur Sicherheit eine automatische Abschaltung.

Aufgrund der Krisensituation in der Welt wird in der ZASt in Halberstadt mit weiter ansteigenden Zahlen gerechnet. Bis zum Jahresende könnten es rund 6000 Asylsuchende werden. Diesen Ansturm hatte die Einrichtung von 1994 bis 2001 jedes Jahr zu bewältigen. Der Höhepunkt lag laut Stein im Jahr 1992 bei 15 852 Personen. Lediglich 845 Asylsuchende wurden 2007 registriert.