Feuer aus Holz, Wasser aus dem Bach und Würmer als Essen - das ist für René Golz in Benneckenstein keine Zumutung, sondern Freiheit in der Natur. Eine wachsende Zahl von Harztouristen folgt ihm in den Wald.

Benneckenstein l Regelmäßig zieht es René Golz (44) mit zwei oder mehr Begleitern in den Harzer Wald. Während normale Wanderer zum Essen zurück sind, eine Gaststätte aufsuchen, vor allem aber zuhause oder im Hotel schlafen, haben Golz und Begleiter nur das Allernötigste dabei. Sie kehren auch nicht so schnell zurück, denn sie sind auf Survivaltour zum Überleben in der Natur.

"Der Wald bietet alles, was man braucht", lächelt der Überlebenstrainer überzeugt. Messer, Schlafsack und Taschenlampe reichen seiner Meinung nach völlig, um eine unvergessliche Nacht zu erleben und die eigene wilde Seite zu entdecken, wie Golz es nennt.

Eine Tour beginnt zunächst als ganz normale Wanderung. Mit der Suche nach einem Schlafplatz und gutem Feuerholz kommt dann die erste größere Herausforderung: Feuermachen ohne Streichholz oder Feuerzeug, nur mit dem, was der Wald bietet. Gut, einen Holzbohrer hat Golz schon mal vorbereitet. Aber so einfach ist es auch damit nicht, durch Reibung Feuer zu erzeugen. "Wenn es dann raucht, sieht man richtig, wie die Augen der Gäste leuchten", berichtet René Golz. Das freue dann auch ihn.

Für die Natur hat der gebürtige Hallenser immer schon geschwärmt. Und für die Freiheit. Die suchte er 1988 hinter der DDR-Mauer und wurde geschnappt, inhaftiert. Die enge Zelle, so sagt er heute, habe seinen Drang nach Freiheit nur verstärkt. "Es gibt nichts Schöneres, als eine Nacht unter freiem Himmel", so Golz. Und man nimmt es ihm ab.

Aus dem DDR-Knast wurde er 1989 von der damaligen Bundesrepublik freigekauft, wanderte aus nach Spanien, kehrte zurück, kam nach Göttingen, nach Benneckenstein - und verliebte sich in den Harz. Als dann noch ein leeres, für ihn ideales Haus am Ortsrand an der Rappbode gefunden war, brach Golz seinen im Gefängnis gefassten Vorsatz, nie wieder in den Osten zu kommen.

Mit Partnerin Alexandra Boschke und zwei Kindern zog er nach Benneckenstein und hatte da schon sein großes Hobby, das Überlebenstraining, zum Beruf ausgearbeitet. René Golz pachtete 20 Hektar Wald vom Forstbetrieb Oberharz, baute das Haus in Benneckenstein Stück um Stück aus und eifert mitten im Harz seinem Vorbild nach, dem Überlebenskünstler und Menschenrechtsaktivisten Rüdiger Nehberg. Mit wachsendem Erfolg.

"In diesem Jahr boomt es regelrecht, ich bin seit Mai fast jedes Wochenende draußen", berichtet Golz. Seine Gäste kommen aus ganz Deutschland, auch Schweizer waren schon da. "Und sie kommen aus allen Schichten, vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Professor", so der Überlebenskünstler. Der Harz sei sehr schön, aber für zukunftsträchtigen Tourismus müsse er touristisch quasi umgekrempelt werden. Nur vom Wandern und meist älteren Gästen könne die Stadt nicht auf Dauer leben, geschweige denn gedeihen. Ein Angebot wie seines schließe da eine Lücke und lockt neue Gäste.

Golz spricht von einer guten Zusammenarbeit mit Forstbetrieb, Stadt und dem Hotel "Zur Brockenbahn" sowie Nachbar Mike Justkowiak, der Abenteuertouren mit Huskys anbietet. Beide präsentieren ihre Angebote am Sonnabend ab 11 Uhr erstmals als Tag der offenen Tür auf der Waldschneise.

"Viele Leute wollen mehr und richtige Natur", so die Erfahrung des Survivalmannes: "Ich helfe ihnen dabei". Etwa, indem gemeinsam ein erlegtes Reh (vom Forstbetrieb) mit Steinmesser zerteilt, Wasser gesucht und alles am selbstgemachten Feuer zubereitet wird. Oder indem die Orientierung im Wald geübt und eine Hand voll Würmer zur Mahlzeit wird. "Frauen sind da meist tapferer als Männer", weiß René Golz zu berichten. Etwa hundert Gäste geleitet er pro Jahr in den Wald. Bisher kamen alle lebend und mit einzigartigen Erfahrungen wieder heraus.

Weitere Infos: survivaltours-abenteuer.de