Halbzeit in Nöschenrode: Die Straße wird ab Montag asphaltiert. Danach ruhen die Bauarbeiten - bis zum nächsten Frühjahr. Wie eine Volksstimme-Umfrage zeigt, stehen die Anwohner der Bauphase mit gemischten Gefühlen gegenüber. Die einen freuen sich über ausbleibenden Schwerlastverkehr, für andere ist das Projekt "existenzbedrohend".

Wernigerode l Das Schild ist sichtbar für jedermann an dem Lebensmittelgeschäft in der Nöschenröder Straße in Wernigerode befestigt: "Nachfolger gesucht". Seit im März die Nöschenröder Straße saniert wird, bleiben Wolfgang Baake, eigenen Aussagen zufolge, bis zu 200 Kunden pro Tag fern. "Um über die Runden zu kommen, habe ich ein Gewerbe als Rasenpfleger angemeldet", sagt der Wernigeröder.

Ursprünglich sollte die Nöschenröder Straße zwischen Burgberg und Holfelder Platz im November fertig werden. Doch daraus wird nichts, nur die Hälfte ist geschafft: Bis zur Degenerstraße wird der Straßenbau abgeschlossen. Die Arbeiten müssen im Frühjahr 2015 wieder aufgenommen werden.

"Für mich als Lebensmittel-Einzelhändler ist die lange Bauzeit existenzbedrohend", sagt Baake. In einer Einwohnerversammlung kurz vor Baubeginn im März mit Vertretern der Stadt- und Kreisverwaltung, der Landesstraßenbaubehörde, den Stadtwerken, des Wasser- und Abwasserzweckverbands und der beteiligten Baufirmen sei versprochen worden, dass in zwei Schichten, auch sonnabends gebaut werde, um die Sanierung der B 244 noch 2014 abschließen zu können. Zügig sei jedoch nicht gearbeitet worden, behauptet Baake.

"Weder wurde in zwei Schichten, noch regelmäßig sonnabends gearbeitet. Vielleicht an fünf Sonnabenden waren die Bauarbeiter hier", sagt eine Wernigeröderin, die anonym bleiben möchte, da sie in Verhandlungen mit der Stadtverwaltung stehe und Nachteile befürchtet. "Die Bauarbeiter sind jedoch immer sehr freundlich und hilfsbereit. Der Polier ist ein guter Ansprechpartner", fügt sie hinzu.

Grund für die Verzögerungen auf der Baustelle sind laut Bauamt die alten Leitungen, die unter der Straße liegen (Volksstimme berichtete mehrfach). Die Rohre stammen teilweise aus den 1930er Jahren. Zudem seien keine genauen Lagepläne über das Leitungssystem im Untergrund vorhanden. Besonders die Arbeiten der Stadtwerke verzögerten sich dadurch.

Helmut Schrader sieht die Arbeiten derweil gelassen. "Bei individuellen Problemen gab es konkrete Absprachen mit dem Bauleiter, sie sind stets eingehalten worden", sagt er. Er vermutet, dass sich das Projekt auch wegen der Sanierung der Bachstraße verzögert habe. Wie der zuständige Polier gegenüber der Volksstimme bestätigte, wurden tatsächlich Arbeiter für das Bachstraßen-Projekt von der Nöschenröder Straße abgezogen.

Karsten Skytte und Nilecke Brinkmann aus Dänemark verbringen regelmäßig ihren Urlaub im Harz. "Im Sommer waren wir in Wernigerode. Unsere Gastgeber hatten uns über die Sanierung der Straße informiert. Wir wollten aber nicht stornieren, weil uns die Unterkunft so gut gefällt", berichtet Karsten Skytte. Über Matsch, Baufahrzeuge und Lärm habe das Paar hinweggesehen. "Im Herbst planten wir wieder einige Tage im Harz." Das Paar freute sich auf Urlaub ohne Baustelle - und wurde enttäuscht. "Die Situation ist speziell, Mütter mit Kinderwagen und Senioren kämpfen mit hohen Borden. Die Leute stolpern über Schotterhaufen. Das ist gefährlich", schreiben die Touristen.

René Kannemeier und seine Freundin Elvira Maurer können dem Bau Positives abgewinnen. "Sonst beginnt der Verkehrslärm schon morgens um 4 Uhr, jetzt kann man wenigstens ausschlafen", sagt René Kannemeier. Seine Freundin pflichtet ihm bei: "Die Arbeiten könnten meinetwegen bis zum nächsten Sommer dauern." Und: Die Sperrung beweise, dass die Schwerlaster auch andere Strecken als die durch Nöschenrode nutzen können.

Ab Montag wird die Straße asphaltiert, sodass sie während der Winterpause für den Fahrzeugverkehr freigegeben werden kann.

   

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